7 Schwestern

Ein Gruppenportrait frei nach Tschechow

Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
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Foto: Benjamin Krieg

40 Jahre Nichtstun: Eine Generation feiert Geburtstag. 7 Schwestern ist ein Portrait von Frauen (und Männern) einer Generation von NichtstuerInnen. Es sind die Töchter (und Söhne) der Frauenbewegung. Sie sind jetzt in einem gewissen Alter, in einer gewissen Situation. Sie sind emanzipiert und gut ausgebildet. Der Arbeitsmarkt hat sie aufgenommen, herausgefordert und ihnen auch schon ihre Grenzen aufgezeigt. 

Jetzt bekommen sie Kinder: eine Flucht ins Private, ein Weiblichkeitswahn, ein narzisstischer Selbstverwirklichungstrip? Diese Frauen hatten niemals Interesse für die historische Dimension ihres Daseins und ihrer Freiheit. Sie hatten auch niemals Mitleid mit ihrer Müttergeneration, den Subjekten der zweiten Welle des Feminismus. Jetzt hat niemand Mitleid mit ihnen. Die Bewegung hat sich verloren, Emanzipation ist zur privaten Erfolgsstory verkommen. Was haben diese Frauen erreicht, wer sind sie? Wohin wollen sie? Und geht das jetzt noch?
Vier PerformerInnen von She She Pop vertiefen sich in Tschechows Drama "Drei Schwestern" und mischen sich unter das Personal dieser Satire, um eine Schwesternschaft zu gründen. Sie streifen durch das Prosorow’sche Haus – das Theatergebäude – und suchen den Salon: Wo ist der Raum, der gesellschaftliche Ort, an dem individuelle Sorgen und Befindlichkeiten als soziale Lebensumstände erkannt werden könnten? Wo ist das Zimmer, in dem sich die Analyse ihrer Lebensumstände zu gemeinsamen Forderungen und Konzepten verdichten ließe?
Es geht um Frauen und ihr Verhältnis zur Arbeit. Es geht um die Phantomschmerzen einer Generation der postpolitischen Vereinzelung. Ein Gruppenportrait frei nach Tschechow.

Credits

Konzept: She She Pop. Mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Lisa Lucassen, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf.
Assistenz: Kaja Jakstat.
Bühne: Sandra Fox.
Assistenz Bühne: Janna Schaar.
Kostüm: Lea Søvsø.
Technische Leitung: Jürgen Salzmann.
Sounddesign: Jeff McGrory.
Produktion/ PR: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro.
Administration: Elke Weber.
Hospitanz: Sarah Kuska.

Eine Koproduktion von She She Pop mit dem Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg und dem FFT Düsseldorf.

Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, die Behörde für Kultur, Sport und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg und die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. – aus Mitteln des Bundes.

Premiere, Dezember 2010, HAU 2, Berlin

Weitere Termine:
  • März 2011, Pustervik, Göteborg, Schweden
  • Mai 2011, Kampnagel, Hamburg
  • Oktober 2011, FFT, Düsseldorf
  • Dezember 2011, kulturnews-Award 2.Preis für 7 Schwestern

Auszeichnungen

Ausgezeichnet mit dem kulturnews-Award 2011, 2.Preis

Pressestimmen

„Man hat uns mehrfach vor Tschechow gewarnt...“ sagt Sebastian irgendwann mal und versucht halbherzig den Rückzug – aber da stecken er und der Rest der Performance-Truppe She She Pop schon viel zu tief drinnen im gewachsenen Stillstand  der drei Schwestern im Hause Prosorow. Und in ihren ureigenen Geschichten mit und ohne Kinder, mit Arbeit, Angst und Älterwerden.
Jeder hängt da für sich, eingeschlossen in Projektionsflächen, von Kameras beobachtet und ins Publikum gebeamt. Olga, Mascha, Irina. Oder auch Lisa, Berit, Johanna. Und Andrej/Sebastian. Denn die Akteure der Hamburg/Berliner Performance-Truppe sind stets beides: Rolle und Selbst, drinnen und draußen. Und sie machen ihre Zuschauer gern zu Voyeuren.
Im jüngsten Stück 7 Schwestern, das nach der Uraufführung in Berlin 2010 jetzt das Publikum in Hamburgs Kampnagel Fabrik zu anhaltendem Applaus hinriss, sieht das auf sieben kleinen und größeren, zur turmhohen Collage gestaffelten Bildschirmen aus wie ein Mischung aus TV-Beichte, Puppenhaus und Schlüsselloch. Da sieht man die Akteure live-haftig räsonieren – über ihr „von Kleinkindern behindertes Leben“, den Unsinn von Geburtstagen, die Person, die man mal war, die Unvereinbarkeit von Kinder- und Kunstwelt. Wie stets saugen She She Pop ihren Rohstoff aus dem eigenen Alltag, den eigenen Leben, der eigenen emanzipatorisch bewegten Geschichte – um all das an Tschechow zu reiben.
... Mehr braucht es nicht, die Kreisbewegungen von Tschechows Protagonisten zu verdeutlichen. Und den eigenen Stillstan zu beackern. Das eigene Rollenmodell und das Unvermögen sich dessen zu entledigen. Bis der Zuschauer darin sich selbst entdeckt  und ein weitere Schicht in dieses Bedeutungsgewebe knüpft.
... nicht gerade optimistisch, dafür aber schön gnadenlos, sehr witzig ... und clever,...
Ruth Bender, Kieler Nachrichten, 21.5.2011

"She She Pop machen programmatisch aus Privatem medial avanciertes Theater. Was sie verhandeln, auch diesmal sind ganz exemplarisch ihre eigenen Leben. Der Vorwurf, das gehe doch niemanden etwas an, geht genau dann ins Leere, wenn oder falls man als ZuschauerIn feststellt, wie sehr einen trifft, was man da sieht."
taz Berlin - die tageszeitung, 12.12.2010

"Bisweilen spiegeln sich die Tschechow-Rollen aufs Schönste in der Lebens- und Schaffenssituation der Performerinnen, etwa im Konflikt zwischen mutterstolzer und kinderloser She She Pop-Fraktion." Tagesspiegel, 12.12. 2010 http://anton.theaterblogs.de

"Verhandelt werden hier die elementaren Fragen heutiger Frauen: Kinder kriegen oder nicht, die Arbeit zum Lebensinhalt gestalten oder nicht. Auch bei Tschechow sind die Schwestern in einer Lebenskrise,... Die berühmte Spielfreude des Ensembles macht die Inszenierung zu einem großen Spaß. Und die Selbsreferenzialität, mit der die SchaupielerInnen sich als heute lebende Personen immer wieder ins Spiel bringen, ist das eigentlich Spannende an der Inszenierung."
AVIVA-Berlin Kultur, 13.12.2010

"Die Performerinnen von She She Pop haben es in der Kunst, ihr eigenes Leben zum Rohstoff für ihre Theaterabende zu machen, zu einiger Virtuosität gebracht. Diesmal kreuzen sie im Berliner HAU Tschechows „Drei Schwestern“ selbstironisch und angenehm uneitel mit der eigenen Lebenssituation..."
Süddeutsche Zeitung, 22.12.2010

"She She Pop tritt nicht einfach in Dialog mit Tschechows Drama: es mischen oder addieren sich vier Darsteller unter die Schwestern. Sie tun dies mit originalen Namen,... dann merkt man schon: dies ist eine sehr vielseitige „Schwesternschaft“. Man befindet sich einerseits also bei Tschechow im Hause Prosorov, gleichzeitig agiert und reflektiert man aber natürlich im Heute und aus der Distanz... Man ist gleichzeitig in der Rolle und bei sich selbst. Und da umspielt man schon dieses wichtige (auch Zukunfts-) Motiv des Originals, nämlich die – Arbeit... Die Form, die She She Pop ihrer Performance gegeben haben, ist erstaunlich originell,... Resignation über den Sinn des Lebens verbindet die Schwestern von damals und heute, aber die Qualität ihrere Desillusionierung ist grundverschieden. Tschechows Frauen fragten nach dem sozialen Fortschritt in späteren Jahrhunderten, She She Pop blickt schon aus der Zukunft zurück. Das Resultat ist ganz und gar nicht optimistischer..."
rbb Kulturradio, 11.12.2010

She She Pop at Pustervik Göteborg 29&30 mars 2011 from Kulturguiden.tv on Vimeo.