Testament

Verspätete Vorbereitungen zum Generationswechsel nach Lear

Foto: Doro Tuch
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"Besser wär’s, du lebtest nicht, als mir zur Kränkung zu leben!" (König Lear zu seiner Tochter).

"Daddy's working boots have filled their obligation." (Dolly Parton über die Schuhe ihres Vaters).

She She Pop nimmt sich den Kanon vor: In der ersten Szene von Shakespeares “König Lear” versucht der alte Mann mit großer Geste, sein Reich an seine drei Töchter zu vermachen und damit eine Absprache für seine Altersvorsorge zu treffen – ein Plan, der auf gewaltsame Weise scheitert.
Das verwundert nicht. Denn von allen Tauschgeschäften, in die wir jemals verwickelt werden, ist dasjenige zwischen den Generationen das komplizierteste und undurchsichtigste. Wert und Gegenwert (also Geld und Liebe) sind prinzipiell verschleiert, und niemand hat den Tauschbedingungen je offiziell zugestimmt. Das gilt für fast alle Verabredungen zwischen den Generationen: Sie sind faul. Sie haben nie stattgefunden. Es gibt sie nicht. Der Stall, den es hier auszumisten gilt, ist randvoll mit Daten und Details, Schmuckstücken, Stammbäumen, Erbfolgen, Erbkrankheiten, Liebesschwüren, Pflegeplänen, Benzinquittungen und Schuldgefühlen – sämtlich Teile der Verhandlungsmasse in dieser öffentlichen Gegenüberstellung von Töchtern und ihren Vätern.

Für Testament bitten She She Pop ihre eigenen Väter mit auf die Bühne. Das Theater wird zum Verhandlungsraum für einen utopischen Prozess: den Ausgleich zwischen den Generationen.

Credits

Konzept: She She Pop.
Mit: Sebastian und Joachim Bark, Johanna Freiburg, Fanni und Peter Halmburger, Mieke und Manfred Matzke, Lisa Lucassen, Ilia und Theo Papatheodorou, Berit Stumpf. 

Bühne: She She Pop & Sandra Fox.
Kostüme: Lea Søvsø.
Lichtdesign: Sven Nichterlein. 
Ton: Florian Fischer.
Musik: Christopher Uhe.
Künstlerische Mitarbeit: Kaja Jakstat.
Übertitel: KITA (David Maß).
Tour Koordination: Kaja Jakstat, Ruschka Steininger.
Tourbetreuung: Klaus Dust, Florian Fischer, Michael Lentner, Lars Egge Müggenburg, Sven Nichterlein.

Produktion/PR: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro.
Administration: Aminata Oelßner.
Company Management: Elke Weber.

Eine Koproduktion mit dem Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg und dem FFT Düsseldorf.

Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, die Behörde für Kultur, Sport und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg und die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. – aus Mitteln des Bundes.

Premiere, Februar 2010, HAU, Berlin

Weitere Termine:
  • März 2010, Kampnagel, Hamburg
  • Mai 2010, Theaterhaus, Stuttgart
  • Mai 2010, HAU 2, Berlin
  • Juni 2010, FFT, Düsseldorf
  • Oktober 2010, INKONST, Malmö, Schweden
  • Oktober 2010, Pustervik, Göteborg, Schweden
  • Oktober 2010, Dortmund
  • November 2010, brut, Wien, Österreich
  • Dezember 2010, HAU 2, Berlin
  • Januar 2011, Mousonturm, Frankfurt/Main
  • Februar 2011
  • Februar 2011, Festival des internationalen freien Theaters - Vol 1: Deutschland Yokohama, Kanagawa Arts Theater / KAAT , Yokohama, Japan
  • April 2011, HAU 2, Berlin
  • April 2011, Schwankhalle, Bremen
  • Mai 2011, Berlin
  • Mai 2011, Festival a/d Werf, Utrecht, Niederlande
  • Juni 2011, HAU 2, Berlin
  • Juni 2011, Kaserne, Basel, Schweiz
  • Juni 2011, Festival Impulse, Köln
  • Juli 2011, Festival Impulse, Bochum
  • August 2011, Theater Spektakel, Zürich, Schweiz
  • August 2011, STAGE Festival, Helsinki, Finnland
  • September 2011, NO99 Straw Theatre, Tallin, Estland
  • Oktober 2011, Ulster Bank Theatre Festival, Dublin, Irland
  • Oktober 2011, Festival Politik im Freien Theater, Dresden
  • November 2011, Festival euro-scene, Leipzig
  • November 2011, Theaterfestival deutscher Sprache, Prag, Tschechische Republik
  • Dezember 2011, Festival SpielArt, München
  • Dezember 2011, Theaterhaus, Stuttgart
  • Dezember 2011, TAK Theater, Schaan, Liechtenstein
  • März 2012, HAU, Berlin
  • April 2012, Festival Bo:m, Seoul, Korea
  • Mai 2012, Le Grand T, Nantes, Frankreich
  • Juli 2012, Grec Festival, Barcelona, Spanien
  • Oktober 2012, SESC Santana, São Paulo, Brasilien
  • Oktober 2012, Teatro Mayor, Bogotà, Kolumbien
  • Oktober 2012, 47. Dimitria Festival, Thessaloniki, Griechenland
  • November 2012, NET-Festival, Moskau, Russland
  • November 2012, Festival d'Automne, Paris, Frankreich
  • Dezember 2012, Festival d'Automne, Paris, Frankreich
  • Januar 2013, Walker, Minneapolis, USA
  • Januar 2013, Walker, Minneapolis, USA
  • Januar 2013, PuSH, Vancouver, Kanada
  • Januar 2013, On the Boards, Seattle, USA
  • Februar 2013, On the Boards, Seattle, USA
  • Februar 2013, Bozar, Brüssel, Belgien
  • März 2013, Das Gastspiel von Testament in Seoul im April 2012 wurde durch die "National Theater Association of Korea" als beste Theateraufführung 2012 ausgezeichnet., Seoul, Korea
  • April 2013, Toronto, Kanada
  • Mai 2013, Le Maillon, Straßburg, Frankreich
  • Mai 2013, Festival Perspectives, Saarbrücken
  • Juni 2013, Festival Theaterformen, Hannover
  • November 2013, Théâtre de l´Aire libre, Rennes, Frankreich
  • November 2013, Le Quartz, Brest, Frankreich
  • Dezember 2013, Slowacki Theatre /, Malopolska garden of Arts, Krakau, Polen
  • Juni 2014, Lift,, Barbican, London, England
  • Juli 2014, Festival de Almada, Lissabon, Portugal
  • September 2014, La Bâtie-Festival de Genève, Genf, Schweiz
  • Oktober 2014, Festiwal Konfrontacje Teatralne / East European Performing Arts Platform, Lublin, Polen
  • November 2014, Schauspiel, Stuttgart
  • Juni 2015, Festival delle Colline Torinesi, Turin, Italien
  • August 2015, Kunstfest, Weimar
  • November 2015, HAU, Berlin
  • Dezember 2015, Kammerspiele, München

Auszeichnungen

Ausgezeichnet mit dem "King Lear Arward" 2013 (Toronto, Kanada).
Ausgezeichnet als "Bestes Gastspiel 2013“ mit dem Dora Award (Toronto, Kanada).
Ausgezeichnet als "Beste Theateraufführung in 2012" von der "National Theater Association of Korea".
Ausgezeichnet mit dem Friedrich-Luft-Preis 2011.
Ausgezeichnet mit dem Preis des Goethe-Instituts beim Impulse Festival 2011.
Eingeladen zum Theatertreffen 2011.
Ausgewählt für das nachtkritik Theatertreffen 2011.
Ausgezeichnet mit der Wild Card beim Theaterfestival Favoriten 2010.
Ausgezeichnet mit "Bestes Gastspiel 2010“ von der Zeitung "Göteborgs-Posten" (Schweden).
Nominierung für den UBU Award 2015.

Trailer


Testament beim Grec Festival Barcelona Juli 2012

Pressestimmen

Testament wurde von der Sehr Jungen Jury des Weimarer Kunstfestes 2015 zum herzergreifendste Stück gewählt.

… the mutual sharp criticisms voiced and the profound tenderness surfacing in Testament make it simultaneously heartbreaking and heartwarming study of family relationships. Food for thought, for the rest of your life. Kate Basset, The Times Ireland, 05.06.2014

This is a show that feels intensely honest as if it were negotiating the relationships between one generation and another live on stage. We hear the arguments that took place during rehearsal. We sense the disapproval felt about some daughters' life and work choices. The stage is awash with unspoken resentments, unacknowledged sacrifices and misunderstandings. But it is also awash with love and regret, and, in one of the final scenes, a great litany of forgiveness. It could be sentimental; it could be tricksy. It isn't. Instead, it searingly exposes the ties that bind, the debts we owe, and the deficits and accumulations of love. Lyn Gardner, The Guardian, 04.06.2014

Intensely uncomfortable, exposing vulnerabilities in their relationships and creatively uncovering the tension of honesty in performance art. The result is an uncompromisingly true and personal production, which punches you with emotion and teaches us what we owe our parents, and how to forgive. Spectacularly inventive and beautifully orchestrated, Testament is not to be missed. Martha Quigley, Plays to see, 04.05.2014

Mit einer Mischung aus Musik und Projektionen, der deutschsprachigen Fassung des König Lear -Textes und Tanz liefern She She Pop ein wahres Fest für die Augen. Indem sie die ganze Bühne auf innovative Weise nutzen, wird daraus wirklich eine regelrechte Performance, welche die vierte Wand durchbricht und das Publikum einlässt in den Arbeitsprozess hinter der Bühne. ... Der Umgang mit diversen Medien ist dazu nahtlos integriert in eine schon vielschichtige Bühnenerzählung.
...Zugänglich, bezaubernd, manchmal urkomisch, rau und direkt ist dieses Stück, mehr als eine Shakespeare-Adaption, vielmehr ein Kunstwerk, eine Performance, die all das enthält, was man sich vom Theater wünscht. ... Nicht verpassen!
SAD MAG, Vancouver, 26. Januar 2013, Emily Ross

Dies ist ein faszinierendes und verstörendes Stück – manchmal geradezu beängstigend in seiner umfassenden Akzeptanz der grausamen Umrisse der Geriatrie. In einer einfachen und doch brutalen Szene sehen wir, wie die Kinder die Väter methodisch entkleiden, sich deren Kleidung anziehen und die Throne erobern. ... kein Schauspieler der durch den Sturm wütet, kann das Unbehagen erreichen, das dieser Akt vermittelt. Das Sicherheitsnetz der Metapher verflüchtigt sich in einer unbequemen Konfrontation mit der Verletzlichkeit des Alters. ...
Minneapolis Star Tribune, 18. Januar 2013, Graydon Royce

„Dekonstruktion“ setzt eine „Rekonstruktion“ voraus oder vielleicht eine „Wiederentdeckung“. Unterzieht man den Text einer Dekonstruktion, wird das Stück zur Performance umgestaltet. Man muss sich das als eine Reise vorstellen, durch die das Stück durch eine Gruppe von Künstlern hinterfragt, (neu-)interpretiert und auf der Bühne wiederentdeckt wird.
In Deutschland werden solche Unternehmungen begeistert angenommen, wenn auch mit gemischten Resultaten. Viele Inszenierungen behaupten mit Stolz, experimentelle und gewagte theatrale Erkundungen zu sein. Ein eloquenter Beweis kommt von dem Theater-Kollektiv She She Pop, ...
Die Gruppe aus Berlin hat viel Lob eingesammelt, einhergehend mit dem unvermeidlichen Gefolge von Kontroversen. Bestimmt von ihrer erklärten Mission, untersuchen She She Pop wie der klassische Kanon auf unsere heutige Sichtweise trifft. ...
Es ist eine provokative, bezaubernde, faszinierende und höchst unorthodoxe Erkundung der unmittelbaren Themen, die durch ihre eigenwillige „Lesart“ (d. h. „dekonstruiert“ und „rekonstruiert“) von Shakespeares König Lear offen gelegt werden. She She Pop’s König Lear ist im Kern kühn und relevant ...
„Reconstructing King Lear’s Tragic Condition“, www.walkerart.org, 14. Januar 2013, Michael Lupu

Vor Testament hat She She Pop schon oft Themen wie Gesellschaft und Autorität behandelt, jedoch nie hatte ein Theaterstück den Ausgangspunkt gebildet. Die Gruppe lehnte dies stets ab, denn sie wolle „spontane Situationen schaffen, die die Performer und das Publikum gemeinsam meistern müssen“, erklärt das Kollektiv in einem Interview des Festival d´Automne einstimmig. Doch als eines der Mitglieder 40 wurde, fand She She Pop, dass die Zeit nun reif sei, um die Macht und Verantwortung zu hinterfragen, die Alter und Leistung verleihen. Shakespare, mit seinem König Lear, den erbenden Töchtern und dem unglücklichen Verlauf des Ganzen, hat sich da natürlich aufgedrängt. Doch She She Pop sind ihren Prinzipien treu geblieben: sie selbst zu sein, auf der Bühne, nicht sie als Schauspieler. Den Text als Informationsbasis zu nutzen, ohne ihn zu inszenieren. Einen Dialog mit den Zuschauern anzubahnen, ohne zu schummeln. Und um nicht zu schummeln konnte es im Fall von Testament nur eine Lösung geben: die Väter in das Projekt einzubinden und sie auf die Bühne zu bringen - es gilt schließlich die Frage von Nachfolge und Erbe zu klären. Schwer zu erklären, wie dem Kollektiv diese hervorragende Leistung gelungen ist. Natürlich lachen Sie, wenn Sie sehen, wie Lear in eine mathematische Gleichung verwandelt wird. Jedoch, ohne sich dessen bewusst zu sein, sind Sie hier schon am Kern der Sache: der Diskrepanz zwischen dem Leben eines Mannes, der nach einer Wahrheit sucht, die im Theater nicht zu finden ist und dem seines Kindes, das sich für die Wahrheit des Theaters entschieden hat, die im Leben unauffindbar ist. Es wäre in dieser Banalität sehr hart, um nicht zu sagen unerträglich, wenn es ihm nicht gelänge, ausgerechnet durch die Abwesenheit von Zugeständnissen Brücken zwischen den Generationen zu schlagen und die Dinge neu aufzurollen. Zärtlichkeit eingeschlossen. Um zu erfahren, wie der Umschwung vom Krieg zu einem hoffnungsvollen Frieden geschehen kann, gehen sie ins Theater des Abbesses. Sie sehen dort, am Ende von Testament, wie drei Väter und ihre Kinder ihre Stimmen zusammen erheben, zu einer Litanei des „Ich vergebe dir, …“. Sie werden verstehen, warum.

Brigitte Salino, Le Monde, 30.11.2012

Die deutsche Performance-Gruppe She She Pop präsentiert heute ihr mehrfach ausgezeichnetes Stück Testament in Sao Paolo. Dieses Stück ist paradigmatisch für das in Deutschland praktizierte zeitgenössische Theater, ein überwiegend von Prinzipien der postmodernen Ästhetik geprägtes Theater wie der kollektiven textuellen Schöpfung, einer Verweigerung der szenischen Täuschung und einer komplexen Mischung fiktionaler und realer Elemente...
Folha de Sao Paolo, 06. Oktober 2012, Marcio Aquiles

Brilliant, einfallsreich, streng, voller bemerkenswerter Momente. ... Marthaler hätte es nicht besser orchestrieren können.
El Paìs, Madrid, 14.Juli, 2012, Marcos Ordónez

Wenn die erste Vorstellung des diesjährigen Grec den Maßstab für das Festival setzt, dann haben wir Glück. Das Stück Testament der deutschen Kompanie She She She Pop bietet, unter anderen Tugenden, eine schillernde Originalität. ... In anderen Worten handelt sich hier um eine Originalität, die von banalen Coups und jeglichen billigen Ansätzen entfernt ist und die sich gern von der vermeintlichen Permissivität der sogenannten neuen Tendenzen schützen möchte.?...
La Vanguardia, Barcelona, 08. Juli 2012, Joan-Anton Benach

...At its tempestuous centre, Testament is about how relationships with our fathers must be renegotiated as we move towards and then beyond that pivotal point when the roles of carer and cared for are swapped – here this changeover takes place during the storm scene in Act III, when to a pumped up soundtrack we see teh daughters divest their fathers of their boots and breeches, and usurp their thrones in cardboard crowns, whooping all the while. We watch as the three men reduced to their underwear, ageing bodies exposed, rally their efforts to reclaim the text from their daughters and their dignity in the face of age; a shaking hand scrolls back through Lear to outline in red pen the pasage which must not be overlooked. It’s a strong and moving image in a production which otherwise eschews the provoking of strong emotions – much as the fair Cordelia might refuse to be manipulated into such declarations.
In bringing their real fathers on stage in Testament, She She Pop is striving to get beyond artifice and illusion to reach something true – but the ultimate gesture is made by their fathers, who are not actors after all, yet are willing to do this for their daughters...
Fíona Ní Chinnèide, www.irishtheatremagazine.ie/Reviews/Ulster-Bank-Dublin-Th., october 14th, 2011

... It’s amusing and heartfelt and honest. ...
What made Testament such a joy to behold was how the company managed to be so facetious and light-hearted, entertaining and intelligent about matters of real consequence and still manage to truly affect, enlighten and disturb. They have not forgotten, that underneath theatrical ingenuity must lie a truth that needs expressing, that all the laughs and artifice must honor. It was a theatrical etiquette lesson.“
Caomhan Keane, entertainment.ie/Theatre/feature/She-She-Pop, 13 October 2011.

She She Pop & Their Fathers: Testament. Samuel Beckett Theatre
A brisk introduction, a modest fanfare and the ageing King Lear takes his throne. Eagerly anticipating his retirement plan (an unburden’d crawl towards death), Lear addresses himself to his darker purpose: dividing his kingdom among three daughters, appointing shares to whoever can shout her love the loudest. Watching three genuine fathers, in the springtime of their senescence, take to their own thrones – mismatching armchairs on a lightly suggested livingroom set – you immediately appreciate the playful depth of thought that She She Pop has put into this formally adventurous, slyly affecting piece of reality theatre.
Part text analysis, part self-ananlysis, the German company’s production explores Shakespearean archetypes as enduring models of contemporary psychology. That may sound like a needlessly dry interpretation of four female performers manning a flip chart and video projections while waering Elizabethan ruffs. But the heady pleasure of Testament is that you can have a lot of fun while being smart:if life imitates art, even a karaoke version of Something Stupid can be archly political.
Introducing King Lear as a play about „inheritance and betrayal, old age and decline“, Ilia Papatheodorou risks essentialising the drama fort he sake of a handy schematic (at the risk of sounding unnecessarily reductive, King Lear is about everything). But if that means paring the dramaturgical framework right back, you have to start from somewhere. As Lear himself memorably says, „Aus Nichts kann nichts entspringen“ – „Nothing will come of nothing."
Indeed, one of the pleasures of the show is seeing the play’s logic expressed in a contemporary German idiom, which is to say an enjoyably deadpan reductio ad absurdum.
When Manfred Matzke, a clear-sighted rationalist who is anti-conflict, interrupts the performance with an economic analysis of Lear’s errors („The answer is given to us by this system of differential equations...“) it isn’t just funny; it recognises the fathers as contributors to the show’s dramaturgy. Even the show’s process becomes an illustration of filial conflict and threatened parental dignity, a poignant illustration of generational succession.
Nowhere is this more quietly unsettling than when the fathers question the ethics of exposing their lives to an audience, or the honesty of their daughters. In this Lear, nobody wants to play the Fool. It leads to an astonishing moment in which one father expresses „shame and embarrassment“ for his daughter’s performance art. „We are now in the storm scene,“ announces Lisa Lucassen, understandably.
Such genuine clashes make the participation of these fathers both brave and moving, a compact that ensures not even a line dance will compromise their dignity. They may not tell you anything new about Shakespeare’s play, but She She Pop’s bold and touching experiment lets the play tell us something new about our lives.
Peter Crawley, THE IRISH TIMES Weekend Review, October 8, 2011.

Dieses Stück ist gefeiert worden, und es gibt allen Grund dazu. So viel lässt sich nach der Premiere von «Testament» von She She Pop und ihre Väter feststellen. Auch in Zürich versetzte es das Publikum in helle Aufregung und verschaffte dem Theaterspektakel ein erstes Highlight. ... Dass dieses Unternehmen ständiger Kippeffekte und Metaebenen so beeindruckend wirkt, ist den Vätern somit gleichermassen wie den theatererprobten «Kindern» (Sebastian Bark, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou sowie Lisa Lucassen) zu verdanken, denen allen man es abnimmt, sich selbst zu sein, aber gleichzeitig auch zu spielen. Das Resultat ist keine Nabelschau der Beteiligten, sondern eine unaufgeregte Dialektik, die wirklich berührt; wie Shakespeares «King Lear» Überindividuelles ansprechend – in einer Gesellschaft, in der wir alle immer älter werden.
Claudio Steiger, NZZ, 20.08.2011

Zum Theatertreffen 2011
"So geist- und gefühlsvoll, so anrührend und anspielungsreich erscheinen die grossen Daseinsfragen selten auf der Bühne. «Testament» ist weder Anti- noch Anklagetheater, es ist ein Spiel über die allgegenwärtige, vielfach beschworene Unübersichtlichkeit, also auch über die daraus entstehenden Unsicherheiten. Unbedingt bemerkenswert."
Dirk Pilz, NZZ Online. 1. Juni 2011

Interview mit She She Pop zum Theatertreffen 2011

Lear goes She She Pop

The first time I saw a theatre piece by She She Pop, "Homestory" in 2002, I was plagued by lovesickness. Nothing helped counter these feelings of frustration more than seeing this piece. Seldom had I felt so well understood in all the woes of having to get through the day alone and constantly having to motivate myself to do something, just like the seven ladies in the She She Pop group and the sole male colleague incorporated into their female collective, Sebastian Bark.

I still can recall a scene, which was a wonderful exaggeration of the desire to crawl into a hole and of the search for protection against all the exertions of having to cultivate an image: As of today, announced performer Ilia Papatheodorou, "I don't want to have anymore, I just want to be." She decided to assume the existence of a bedspread and subsequently entered into a monologue from beneath the bedcovers about her relief of not having to come up with an identity day after day.

At this point in time She She Pop was not exactly famous for pampering their audiences with sympathetic understanding. Just the opposite. Their tendency to be on the nasty side, torturing the audience a little through intense observation, judgment, and even punishment (such as being forced to put on an ass-shaped mask) played no small role in the reputation of the group, which was formed in the 1990s in the Department of Applied Drama at the University of Geissen.

Their performances were actually a little scary. All that hardball squaring of accounts with the voyeuristic position in which viewers can make themselves comfortable was one of the outstanding qualities of their evening performances of "Live" (as of 1999) and "Bad" (as of 2002).

"The fact that we work in a very confrontational, direct, and discursive way has something to do with our history as a women's collective," says Ilia Papatheodorou, who has come to the interview along with Mieke Matzke. It was the experience of the comparing gaze, of being judged and categorised as a woman and female artist in the context of a student project that provided the initial spark for the founding of She She Pop.

"Who is the best dancer, who is the funniest, who is the fattest, who is the most spontaneous - on the stage women are the subject of this voyeuristic gaze to a much greater extent than men. As a way of fighting back, we turned on the lights where the audience sits and returned the gaze." Particularly because She She Pop maintains a feminist perspective, it is all the more surprising that they have been invited to the Theatertreffen with a piece in which they appear on stage with their fathers and closely examine the contract between generations. Soon after its premiere in February 2010, "Testament - Belated Preparations for a New Generation Based on Lear" was invited for guest performances and to festivals. With increasing frequency the daughters had to call their fathers and schedule joint performances.

Does this success surprise She She Pop? Not really, says Mieke Matzke, because even when the piece was still in its conceptual phase they noticed the inherent power of the material as something many people could identify with. "People came to us from all sides with their father stories." But "Testament" also has developed into such an impressive work, because it conveys the problems experienced during rehearsals, doubts, and lack of understanding. The discussions during rehearsals between the daughters and fathers, which threatened to end the project, where recorded and are now replayed for the actors through headphones. The way the performers quietly repeat the words, either insisting on their initial point or distancing themselves from it in their observations, constitutes some of the most brilliant scenes of the piece. Thinking becomes audible, visible, palpable.

For the performers, opening themselves to their fathers' critique of their art was a major challenge. This was especially difficult, because these fathers were not conservative, authoritarian blockheads but rather educated middle class 68ers with high expectations regarding their children's capacity for emancipation and self-realisation.

As a viewer, one often has the sense that the fathers and daughters are actually much closer than they themselves think. But precisely because their conflicts are not negotiated in a clichee-like but instead detailed and very concrete manner, the honesty of the individual positions is moving.

The comparison of these autobiographical experiences with Shakespeare's "King Lear" - the story of the old king who can't get his act together in terms of handing over his power and wealth to his daughters - provides for tension. She She Pop uses this material to address many things that anyone with aging parents must face: Who will help, when they need support? How much of one's own life is one willing to invest in their care? How do siblings view the division of parental love and their parents' inheritance?

The calculations (what is an hour of parental love worth in euros?) and sample cases that She She Pop uses to explore these questions are amusing, on the one hand, especially because they are often presented in very dry style. On the other, they reveal the lack of existing language for addressing these questions without one party being hurt.

She She Pop's longstanding experience in creating simple but complex narrative images comes to their advantage in "Testament". In the beginning small video cameras are pointed at the fathers' faces, which are projected within three large picture frames - already establishing a style characteristic of regal representation. It is precisely here, later, where the children don cardboard crowns and put on the shirts of their fathers, who experienced taking them off as an act of humiliation.

At the end, the three picture frames present an almost baroque vanitas motif with tulips and apples, beneath which daughters, fathers, and one son lie on top of each other in layers - a confirmation of their connection above and beyond all discursive issues. It is also an anticipation of the mortality that unites them. This is She She Pop, and this is Shakespeare at its best.

Today, most members of the collective are close to 40 in age. Ilia Papatheodouro brought her baby son to the interview. Rehearsals now need to be coordinated with the care of seven young children. The perplexity and despair of this dual role as mothers and artists fuelled much of the comedy in their "Seven Sisters" performance, which preceded "Testament" and raised feminist issues more explicitly than earlier pieces. "Now that we have our own families and have brought the conflicts with our own partners on board, the experience of fighting over who does what and when with the kids, plays a major role," says Ilia. And Mieke adds: "While we were rehearsing 'Seven Sisters', the discussion came up again: Where do we really stand? Can we really talk about having accomplished something, or achieved our goals? Or why do we get bogged down on so many levels, why are so many concealed?"

She She Pop never wanted to start their own theatre. They felt they were in good hands with their co-production partners, Kampnagel in Hamburg, the Hebbel am Ufer in Berlin, and the FFT Düsseldorf. Important to them in their process was being able to maintain autonomy over their collective and their projects. "Because we held on to our feminist standpoint and the collective, we were often accused of being stuck in the 1970s," says Mieke Matzke, "but today there is a renewed focus on and political interest in these concepts, also in terms of their utopian potential. Working in a collective also means creating a different kind of obligation to one another, which goes beyond networking."

Apropos utopia, in "Seven Sisters" three of the small, preschool children appear in a projection as if they had been playing in a back room of the theatre the whole time. At the end they are given the task of developing a utopia. "If someone asks you where you are going, say 'to Moscow, to Moscow,' instructs Sebastian Bark, packing them into anoraks and sending them out onto the street in the dark of night.

On the one hand, this is a quote from Chekhov's "Three Sisters", to which the production continuously refers in exploring the question of the right way to live. On the other hand, the image of little children on the street at night pointedly conveys the contemporary fear of having no more utopias, of being utterly unable to paint a positive picture of the future. And also the fear of exposing one's children to terrible uncertainty.

Actually, major drama - but packed into such a small picture, as if this pounding concern needs to be forcibly kept down to size, if we are to keep functioning. And ultimately the art of She She Pop lies in this ability to specifically nail down vague thinking.
Katrin Bettina Müller, Tageszeitung, 29.04.2011

Laudatio zum Friedrich-Luft-Preis
"Besonders bemerkenswert an Testament ist der Mut sich den universellen Themen zu stellen, wie eben Tod, Krankheit, Einsamkeit, Vergänglichkeit und immer wieder steht auch die große alte Dame Zeit auf der Bühne. Mal mehr mal weniger im Vordergrund und doch schon dadurch immer präsent, daß die Akteure so deutlich sichtbar immer Kinder ihrer Zeit sind und bleiben werden".
Laudatio von Claudia Wiedemer, 05.04.2011

"I WILL ALWAYS LOVE YOU
Das Performancekollektiv SHE SHE POP verwandelt seit zwölf Jahren Fragen, die sie auch privat bewegen, in Theater. Mit ihrer jüngsten Produktion „Testament“ ist ihnen das besonders geglückt."
Eva Behrendt, Theater heute, 06/ 2010

"...Als man die erste "Lear"-Szene gelesen hat, schleicht sich das schöne Delirium auf die Bühne, mit dem She She Pop so virtuos arbeiten können. ...Der She-She-Pop-Schwindel handelt weniger von der Lüge als vom Schwanken. Vom Schwanken zwischen Prozess und Produkt, Diskussion und Text, Nähe und Distanz. ...Im Reden über den Stoff streift der Abend immer wieder überraschend genau die Motive des alten Stückes. "Testament" variiert dieses Unverständnis auf hundert Arten."
Tobi Müller, Frankfurter Rundschau, 27. Februar 2010

"couragiert, freimütig und intelligent ... ein großer Wurf"
Klaus Witzeling, Hamburger Abendblatt, 9. März 2010

"Innovationsschübe für ein vitales modernes Theater – darauf lautet das Versprechen der Freien Szene. Eindrucksvoll wird dieses Versprechen von She She Pop und ihren Vätern eingelöst. Ihr Generationendialog „Testament“ baute ebenso berührend wie analytisch klug und witzig eine Brücke zwischen Theatertraditionen. ... eine große Analyse unseres Zeitalters, der Epoche des „ökonomischen Menschen“."
Die Jury des Theaterfestivals „Favoriten 2010“ gratuliert dem Performancekollektiv She She Pop und ihren Vätern zum Preis der „Wild Card“ von Ruhr2010
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"Testament ist aber gerade auch deshalb so beeindruckend geworden, weil es auch die Probleme der Probenarbeit, den Zweifel und auch das Verfehlen von Verständnis mittransportiert. ...Eigentlich, denkt man als Zuschauer oft, sind sich Väter und Töchter viel näher, als sie selbst glauben. Aber weil gerade deshalb ihre Konflikte nicht klischeehaft verhandelt werden, sondern detailliert und sehr konkret, berührt die Ehrlichkeit der Positionen.... ...Am Ende fassen die drei Bilderrahmen ein fast barockes Vanitas-Motiv aus Tulpen und Äpfeln, unter dem sich Töchter, Väter und ein Sohn schichtweise übereinanderlegen: eine Bestätigung ihrer Verbundenheit über alle diskursiven Fragen hinaus; auch ein Vorgriff auf die Sterblichkeit, die sie alle miteinander teilen. Das ist She She Pop und das ist Shakespeare at its best."
Katrin Bettina Müller, taz Berlin, 29.04.2011