Auf Tour

Oratorium

Kollektive Andacht zu einem wohlgehüteten Geheimnis

Foto: Benjamin Krieg
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Maciej Rukasz / Centrum Kultury w Lublinie
Foto: Maciej Rukasz / Centrum Kultury w Lublinie
Foto: Ruzhin | ACT Independent Theatre Festival 2017
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin

„Dass da gehören soll, was da ist, denen, die für es gut sind.“ (B. Brecht)


Eigentum verändert das Bewusstsein. Es trennt Freund*innen, es erteilt Macht über andere, es schließt aus. Eigentum ist selbstverständlich. Und man spricht nicht darüber. Nichts ist so konstituierend für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben, nichts wirkt so trennend auf die Gemeinschaft wie das Eigentum. She She Pop möchten mit ORATORIUM das Geheimnis des Eigentums lüften, es auf eine Bühne zerren.

Man sagt, das Theater westlicher Ausprägung beginnt mit dem Protagonisten Thespis, der sich vor 2500 Jahren vor den Chor gestellt hat. Man könnte aber auch sagen: In diesem Moment ist die Bühne privatisiert worden. Das Individuum wurde seither konsequent überschätzt, überfordert und emotional ausgebeutet. ORATORIUM möchte ein Schlaglicht auf den Zusammenhang von bürgerlicher Öffentlichkeit, Eigentum und demokratischer Ermächtigung werfen.

Gemeinsam mit dem Chor der lokalen Delegierten und ihrem jeweiligen Publikum werden She She Pop über Eigentum sprechen und auf die eigenen Besitzverhältnisse, die Verteilung der Güter und die damit verbundenen Verwerfungen schauen. Inspiriert von Brechts Lehrstücktheorie entwickeln sie Regeln für den dialogischen Theaterabend und bilden uneinige Sprechchöre, die jeden Abend aufs Neue unseren Umgang mit dem Eigentum verhandeln.

Wer darf sprechen? Wer ist präsent, wer wird repräsentiert? Aus der Vielstimmigkeit, der Uneinigkeit und dem immer nur für Momente zu erreichenden Einklang entsteht ein kollektiver Monolog.

ORATORIUM ist ein work-in-progress, dessen Premiere im Februar 2018 am HAU Hebbel am Ufer in Berlin stattgefunden hat. Ein erstes Showing war 2017 bei Theaterformen in Hannover zu sehen und es folgten weitere Stationen beim Konfrontacje Teatralne Festival in Lublin und dem ACT Independent Theater Festival Sofia. ORATORIUM war auf einer Reise durch Europa, in deren Verlauf es Momentaufnahmen aus anderen ökonomischen Mikrokosmen gesammelt hat und sich von Station zu Station weiter entwickelt zu einer großen vielstimmigen Andacht.

Credits

Von und mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf sowie dem Chor der lokalen Delegierten.

Bühne: Sandra Fox, Kostüme: Lea Søvsø, Musik: Max Knoth, Künstlerische Mitarbeit: Ruschka Steininger, Hospitanz: Laia Ribera, Technische Leitung & Lichtdesign: Sven Nichterlein. Produktionsleitung: Anne Brammen, Kommunikation: ehrliche arbeit - freies Kulturbüro, freie künstlerische Mitarbeit: Tina Ebert, Administration: Aminata Oelßner, Company Management: Elke Weber.

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Festival Theaterformen, Münchner Kammerspiele, Schauspiel Stuttgart, Kaserne Basel, Schauspiel Leipzig, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf, Konfrontacje Teatralne Festival Lublin und ACT Independent Theater Festival Sofia.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
www.kulturstiftung-des-bundes.de

Premiere, Februar 2018, HAU Hebbel am Ufer, Berlin

Weitere Termine:
  • Juni 2017, Hannover
  • Oktober 2017, Konfrontacje Teatralne Festival Lublin, Lublin
  • November 2017, ACT Independent Theater Festival Sofia, Sofia
  • Februar 2018, HAU, Berlin
  • März 2018, Schauspiel Leipzig, Leipzig
  • März 2018, HAU, Berlin
  • April 2018, Münchner Kammerspiele, München
  • Mai 2018, Kaserne Basel, Basel
  • Juni 2018, Impulse Theater Festival, Mühlheim
  • Juni 2018, Schauspiel Stuttgart, Stuttgart

Pressestimmen

Kritik zur Premiere in Berlin, Februar 2018

"Die Überraschung kommt gleich zu Beginn. Eigentlich hat noch gar nichts richtig begonnen auf der dunklen, leeren Spielfläche des HAU2. Nur eine Schrift auf der Leinwand gibt knappe Anweisungen. Aber die sind so aufru?ttelnd, dass das Publikum schon mal zehn, fünfzehn Minuten lang in eine Stimmung versetzt wird, die man sonst nur vom Kabarett oder Karneval kennt. Sage noch jemand, die Anhänger der Postdramatik seien theorielastige, empathiefeindliche Theaterskeptiker."
Doris Meierhenrich, Berliner Zeitung, 12.02.2018

Kritik zum Showing in Sofia, November 2017

„To claim that such a theatrical work leads to some sort of surprise or discovery, it
would be inconsistent with its aims. It is not so much about the discovery of profound social contradictions, rather then targeting the ability of the theater to act on an individual, biographical level raising resemblant questions, which are otherwise mostly left in the hands of the media. In this way, the theater tries to preserve its freedom, distinguishing itself from them. So, in the general chorus of theatrical practices from the recent decades, She She Pop is certainly part of the chorus of the fetterless.“
Violeta Detcheva, “Kultura” magazine, 01.12.2017

„Oratorio”, at least for me, provoked on many levels feeling for awakening, for clarity, for uncompromisingness and truth. But most of all, it has proven the ever-growing need to articulate from the stage even the simplest and most obvious things that are actually the most difficult to define."
Elena Angelova, portal “Kultura”, 01.12.2017

Kritik zum Showing in Hannover, Juni 2017

"...manches deutet darauf hin, dass "Oratorium" - nach She She Pops Erfolgsstück "Testament" über das Erben - ein ähnlich feiner, selbstironischer Abend werden wird."
Mounia Meiborg, Süddeutsche Zeitung, 15.06.2017

"So hätte es Brecht gefallen..."
Stefan Gohlisch, Neue Presse, 11.06.17

"...grundsätzliche gesellschaftliche Fragen, die nachdenklich stimmen konnten. Dennoch mangelte es dem Abend nicht an Humor..."
Kreiszeitung, 15.06.17