High

Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg

Wir wollten nie Drogen nehmen. Und wir tanzen auch nicht auf Raves, in Fankurven oder im Gottesdienst. Wir sind mißtrauisch, schon immer, und noch mehr seit Corona: Alles wirkt aufdringlich, grell, härter als zuvor. Wir sind entfremdet, das Leben ist eine Mitmach-Hölle. Die Pandemie hat dem Individualismus den Hut aufgesetzt. Und alles, was wir über ausschweifende kollektive Zustände je wussten, haben wir vergessen. Wir brauchen einen Rausch, eine Ich-Störung, wir brauchen kollektive Euphorie.

„High“ ist eine Zeremonie in einem wandelbaren, alle umfangenden Zelt. Hier werden wir uns hinter dem Banner versammeln, dessen Inschrift wir noch nicht kennen. Unter ausdrücklicher Berücksichtigung aller Widerstände und Differenzen werden wir einen Rhythmus finden, eine Prozession einüben und von dem Teig essen, der den Abdruck aller unserer Hände trägt. Bis das melancholische, neoliberale Egomonster betäubt ist. Bis wir aus der Haut fahren und aufatmen: Alle zusammen. Höchste Zeit.

Credits

Konzept/Idee: She She Pop, Von und mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Tatiana Saphir, Claudia Splitt, Berit Stumpf.

Künstlerische Mitarbeit: Rodrigo Zorzanelli, Raum und Kostüm: Lea Søvsø, Künstlerische Mitarbeit Raum und Kostüm: Ulrike Plehn, Hannah Wolf, Künstlerische Beratung Raum: Michael Kleine, Lichtdesign und Technische Leitung: Christian Maith, Sounddesign: Manuel Horstmann, Video: Benjamin Krieg, Produktionsleitung: Alisa Tretau, Tina Ebert, Praktikum und Keksdealer: Charlotte Engel, Teigproduktion: Greta Patten, Praktikum: Gali Har-Gil, Englische Live Übersetzung: PANTHEA Audiodeskription: Pingpong Translation & Subtitling / Martina Reuter, Johanna Krins, PR & Kommunikation: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro, Freie Mitarbeit Kommunikation: Tina Ebert, Finanzadministration: Aminata Oelßner, Company Management: Elke Weber.

Workshop Input: Club Gewalt, I Can Be Your Translator, Mirah Laline, Tuk Bredsdorff.
Odd Meter Groove Doctor: Maurice de Martin.

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, FFT Düsseldorf, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste. Unterstützung Theater Haus Mitte. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt Berlin.

 

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Termine


Vergangene Termine:
16., 17. Oktober 2023, HAU 2, Berlin
15. Oktober 2023, HAU 2, Berlin
13., 14. Oktober 2023, HAU 2, Berlin
12. Oktober 2023, HAU 2, Berlin

Pressestimmen

„Es kommt nicht von Ungefähr, dass über She She Pop hinaus aktuell auch viele andere Theaterhäuser und Performancekollektive Gemeinschaft und Ekstase in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellen. Denn je länger zunehmende Vereinzelung und gesellschaftliche Anonymität in Kauf genommen werden, desto heftiger werden uns die Konsequenzen in Form von Radikalisierung, Hass und Hetze einholen. Wie demokratiestiftend Rausch in einer heterogenen Gemeinschaft sein kann, zeigt der antike Vorläufer des Theaters: das Mysterienspiel, dessen Inhalte von kultisch- religiösem Charakter waren und in dessen Zentrum die kollektive Ekstase stand. Eine Ekstase, die in dem gemeinschaftlichen Erleben dieser oft tagelangen Spiele wurzelte.“
The Pioneer, Pia von Wersebe, 20.10.2023

„„High“ ist als gesellschaftskritische Wir-Suche gestartet, als ein Versuch, sich gemeinsam mit dem Publikum in einen Rausch zu versetzen – und gelandet als ironische Meditationsübung mit Widerstandsbetrachtung, Schamüberwindung und Mitmachspäßen.“
Berliner Zeitung, Ulrich Seidler, 14.10.23

„Nein, hier sind keine Drogen im Spiel, auch wenn Papatheodorou ihre Kekse als solche „mit Wirkung“ bezeichnet. Zu einem festgelegten Zeitpunkt sollen sie zusammen verspeist werden, auf dass ein jeder die Spuren und Abdrücke, im Zweifel auch Schweiß und Hautschüppchen eines anderen in sich aufnehme. Nicht eigentlich die Ekstase ist mithin das Ziel, sondern eben die gelebte Kollektivität.“
Nachtkritik, Michael Wolf, 13.10.2023

„She She Pop hat den Abend namens „High“ mit dem erklärten Ziel versehen, uns alle hier und heute in einen kollektiven Rauschzustand zu versetzen, Ekstase unter Anleitung sozusagen oder wie sie es nennen, „ein gemeinsames High“ (…) Da müssen Blockaden gelöst, Widerstände eliminiert und ablenkende Gedanken verbannt werden. (…) Die Mitglieder von She She Pop lassen sich davon nicht beirren, performen jegliche Bedenken einfach weg und bleiben dabei: Schluss mit dem Individualismus, her mit der kollektiven Ekstase. Gemeinsam sind wir stärker oder zumindest higher.“
Berliner Morgenpost, Katrin Pauly, 13.10.2023

„Man kann ruhig an Ritual denken, wenn man sich den Abend angeguckt, aber es werden eben keine ausgeführt, die es schon gibt. (…) Wir gehen – wie immer – von uns selbst als Beispiel aus und bieten uns an, als Trägerinnen von Strategien, die in ein High führen können. (…) In diesem geschützten Raum des Theaters ist immer die Chance, dass man etwas ausprobieren kann (…), dass man kurz in eine andere Situation, in ein anderes Gesellschaftssystem, in eine soziale Situation reinschlüpft. Man kann nicht, ohne das mal geübt oder ausprobiert zu haben zur ganz großen Revolution ansetzten.“
Lisa Lucassen im Gespräch mit Oliver Krantz, rbb kultur Radio, 11.10.2023

Oratorium

Kollektive Andacht zu einem wohlgehüteten Geheimnis
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Maciej Rukasz / Centrum Kultury w Lublinie
Foto: Maciej Rukasz / Centrum Kultury w Lublinie
Foto: Ruzhin | ACT Independent Theatre Festival 2017
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Robin Junicke / Impulse Theaterfestival 2018
Foto: Robin Junicke / Impulse Theaterfestival 2018
Foto: Robin Junicke / Impulse Theaterfestival 2018
Foto: Robin Junicke / Impulse Theaterfestival 2018
Foto: Robin Junicke / Impulse Theaterfestival 2018

„Dass da gehören soll, was da ist, denen, die für es gut sind.“ (B. Brecht)

Eigentum verändert das Bewusstsein. Es trennt Freund*innen, es erteilt Macht über andere, es schließt aus. Eigentum ist selbstverständlich. Und man spricht nicht darüber. Nichts ist so konstituierend für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben, nichts wirkt so trennend auf die Gemeinschaft wie das Eigentum. She She Pop möchten mit ORATORIUM das Geheimnis des Eigentums lüften, es auf eine Bühne zerren. Man sagt, das Theater westlicher Ausprägung beginnt mit dem Protagonisten Thespis, der sich vor 2500 Jahren vor den Chor gestellt hat. Man könnte aber auch sagen: In diesem Moment ist die Bühne privatisiert worden. Das Individuum wurde seither konsequent überschätzt, überfordert und emotional ausgebeutet. ORATORIUM möchte ein Schlaglicht auf den Zusammenhang von bürgerlicher Öffentlichkeit, Eigentum und demokratischer Ermächtigung werfen.
Gemeinsam mit dem Chor der lokalen Delegierten und ihrem jeweiligen Publikum werden She She Pop über Eigentum sprechen und auf die eigenen Besitzverhältnisse, die Verteilung der Güter und die damit verbundenen Verwerfungen schauen. Inspiriert von Brechts Lehrstücktheorie entwickeln sie Regeln für den dialogischen Theaterabend und bilden uneinige Sprechchöre, die jeden Abend aufs Neue unseren Umgang mit dem Eigentum verhandeln.
Wer darf sprechen? Wer ist präsent, wer wird repräsentiert? Aus der Vielstimmigkeit, der Uneinigkeit und dem immer nur für Momente zu erreichenden Einklang entsteht ein kollektiver Monolog.
ORATORIUM ist ein work-in-progress, dessen Premiere im Februar 2018 am HAU Hebbel am Ufer in Berlin stattgefunden hat. Ein erstes Showing war 2017 bei Theaterformen in Hannover zu sehen und es folgten weitere Stationen beim Konfrontacje Teatralne Festival in Lublin und dem ACT Independent Theater Festival Sofia.
ORATORIUM war auf einer Reise durch Europa, in deren Verlauf es Momentaufnahmen aus anderen ökonomischen Mikrokosmen gesammelt hat und sich von Station zu Station weiter entwickelt zu einer großen vielstimmigen Andacht.

Credits

Von und mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf sowie dem Chor der lokalen Delegierten.

Bühne: Sandra Fox. Kostüme: Lea Søvsø. Musik: Max Knoth. Künstlerische Mitarbeit Produktion: Ruschka Steininger. Dramaturgische Mitarbeit: Peggy Mädler. Künstlerische Mitarbeit Tour: Laia Ribera, Alisa Tretau. Technische Leitung & Lichtdesign: Sven Nichterlein. Produktionsleitung: Anne Brammen. Kommunikation: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro. freie  Mitarbeit Kommunikation: Tina Ebert. Finanzadministration: Aminata Oelßner. Company Management: Elke Weber.

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Festival Theaterformen, Münchner Kammerspiele, Schauspiel Stuttgart, Kaserne Basel, Residenz Schauspiel Leipzig, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf, Konfrontacje Teatralne Festival Lublin und ACT Independent Theater Festival Sofia.

Premiere, Februar 2018, HAU Hebbel am Ufer, Berlin

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
www.kulturstiftung-des-bundes.de

Trailer

Termine

7., 8. Mai 2024, HAU, Berlin

Vergangene Termine:
01., 02. Juni 2022, E-Werk Freiburg Festival, Freiburg
14.,15., 16. Januar 2021, Le Maillon Theater of Strasbourg – European stage, Straßburg CANCELLED
23., 24. Mai 2020, Freiburg Festival, Freiburg ggf. POSTPONED
16., 17. Mai 2020, Oldenburgisches Staatstheater / Bandenfestival, Oldenburg ggf. POSTPONED
7., 8., 9. April 2020, Le Maillon Theater of Strasbourg – European stage, Straßburg POSTPONED (Januar 2021)
13., 14., 15. Dezember 2019, Schauspiel Leipzig, Leipzig
3., 4. Oktober 2019, HAU, Berlin
10., 12., 13., 14. Mai 2019, HAU, Berlin
28., 29., 30. März 2019, FFT, Düsseldorf
2., 3. März 2019, Brechtfestival, Augsburg
8., 9., 10. Februar 2019, Kampnagel, Hamburg
10., 11., 12. Januar 2019, Santiago a Mil, Santiago de Chile
9., 10. November 2018, Festival Politik im Freien Theater, München
3., 4. Oktober 2018, HAU, Berlin
30. September 2018, HAU, Berlin
1., 2. September 2018, Mousonturm, Frankfurt am Main
31. August 2018, Mousonturm, Frankfurt am Main
23., 24. Juni 2018, Schauspiel Stuttgart, Stuttgart
14., 15. Juni 2018, Impulse Theater Festival, Mühlheim
24., 25., 26. Mai 2018, Kaserne Basel, Basel
18., 19., 20. April 2018, Münchner Kammerspiele, München
23., 24., 25. März 2018, HAU, Berlin
9., 10., 12., 13., 14. März 2018, Schauspiel Leipzig, Leipzig
10., 11., 12. Februar 2018, HAU, Berlin
9. Februar 2018, HAU, Berlin
14. November 2017, ACT Independent Theater Festival Sofia, Sofia
6., 7. Oktober 2017, Konfrontacje Teatralne Festival Lublin, Lublin
9., 10., 11. Juni 2017, BALLHOF EINS, Hannover

Termine

7., 8. Mai 2024, HAU, Berlin

Pressestimmen

„Das Oratorium gibt keine Antwort – aber jede Menge Anregungen zum Weiterdenken und mit dem Element der gemeinsamen Chöre eine Anleitung zur kollektiven Selbstermächtigung. Insofern ein guter Anfang!“
Andrej Holm, Nachtkritik, 13.05.19

„All in all, Oratorium is a triumph of experimental performance: it democratises the space of the theatre to tap into a pressing public discourse, it blows up the concept of passive entertainment by highlighting our collective complicity in capitalistic property relations, and it delivers an inspiring show of solidarity in the process. But, aware of its own formal limitations, it ends on a self-critical, yet optimistic note. Question: what use is all of this? Answer: it’s a rehearsal for what’s to come. As the evening comes to a close and my neighbour and I return to our divergent economic realities, I feel that we both leave the theatre with a heightened sensibility for the nuances of property relations. And that’s a testament to a powerful, political performance. Bertie would approve.“
Nicholas Potter, Theatertreffen-Blog 2019, 12.05.19

„Es ist sowohl der richtige Ort – hier, in dieser Stadt, die gerade Beute wird – als auch die richtige Zeit, dieses experimentelle Spiel mit der Öffentlichkeit zu wagen. Es sind die richtigen Inhalte — Geld, Eigentum Privilegien, Macht, Werte, Gemeinschaft, Erwartungshaltungen des Theaterpublikums — die verhandelt werden. Es sind die richtigen Fragen, die in unserem Hier und Jetzt der Wohnungsnot, explodierenden Mieten, befristeten Arbeitsverhältnisse und ausschließender, sich nach rechts bewegender Gesellschaftsstrukturen gestellt werden. Und es ist die richtige Art, sie zu stellen: Mit viel Humor, niemals selbstgerecht und ohne vorwurfsvollen Unterton. Kurzum: Es ist die richtige Form, Theater zu machen (im Kollektiv, gleichberechtigt, enthierarchisiert).“
Dilan Zuhal Capan, Theatertreffen-Blog 2019, 11.05.19

„Die Inszenierung ist am stärksten, wenn sie das Publikum beteiligt, dieses im Wechselspiel mit den Darstellern die eingeblendeten Texte spricht und sich zu ihnen verhält. Etwa, wenn alle Erben dazu aufgefordert werden, auf der Bühne zu sagen, was sie erben werden und die Gesamtsumme ihrer Erbschaften zusammenzurechnen. Die altgediente Regel „Über Geld spricht man nicht“ wird ausgehebelt, der Zuschauer zum Voyeur. Als ein Mann erklärt, er erbe ein Haus mit Garten in Sachsenhausen, geht ein Raunen durchs Publikum – Frankfurter wissen, wie viel sein Besitz wert ist. „Oratorium“ appelliert an die moralische Verantwortung der Besitzenden, aber die Inszenierung offenbart auch Widersprüche, in die ein einzelner Wohnungsbesitzer geraten kann und entgeht so einer einseitigen Moralisierung. Indem das Publikum als Chor benutzt wird, zeigt sie auf, dass die Verteilung von Besitz nicht nur eine private, sondern eine gesellschaftliche Angelegenheit ist.“
Grete Götze, Frankfurter Rundschau, 03.09.2018

Überhaupt ist „Oratorium“ von der ersten Sekunde an, sehr, sehr unterhaltsam. … Nicht nur, weil der ein oder andere kluge Gedanke formuliert wird, der jeden betrifft, auf der Bühne und der Tribüne. Sondern weil man heutzutage ja selten erlebt, dass jemand, in heiterer Strenge, wirklich versucht, nach Form, Wort und Musik die Lehrstücke Bertolt Brechts als Vorlage zu nehmen. Lehrstücke, weil alle etwas lernen können, und weil es im Grunde kein Publikum gibt. Weshalb all jene, die nun bei den drei Frankfurter Aufführungen mitsprachen, als Chor keinen geringen Anteil am Gelingen hatten.“
Eva-Maria Magel, FAZ, 03.09.2018

In „Oratorium“ werden keine politischen Positionen proklamiert; vielmehr verdeutlichen die unterschiedlichen Akteure verschiedene ökonomische Ausgangslagen. (…) Tatsächlich hat dieses eine wichtige Rolle in der Performance: Denn es ist gehalten, sich in chorischen Aktionen und im Wechsel mit den Darstellern in eingeblendeten vorgegebenen Texten einzubringen und zu outen. Das hat auch etwas Liturgisches. (…) aus dem Schutzraum Theater (wird), wie im Untertitel der Performance angedeutet, tatsächlich ein Andachtsraum, in dem vielstimmige Gruppen und Sprechchöre, der Chor der Delegierten als Stellvertreter der regionalen Gesellschaft, ein Chor der Erbinnen, aber auch Einzelstimmen hörbar werden und Fragen zum Thema Eigentum aufwerfen – durchaus bekannte, mitunter moralisierende, aber allemal bedenkenswerte.
Badische Zeitung, 25.Mai 2018

Kritik zur Premiere in Berlin, Februar 2018

„Die Überraschung kommt gleich zu Beginn. Eigentlich hat noch gar nichts richtig begonnen auf der dunklen, leeren Spielfläche des HAU2. Nur eine Schrift auf der Leinwand gibt knappe Anweisungen. Aber die sind so aufru?ttelnd, dass das Publikum schon mal zehn, fünfzehn Minuten lang in eine Stimmung versetzt wird, die man sonst nur vom Kabarett oder Karneval kennt. Sage noch jemand, die Anhänger der Postdramatik seien theorielastige, empathiefeindliche Theaterskeptiker.“
Doris Meierhenrich, Berliner Zeitung, 12.02.2018

Kritik zum Showing in Sofia, November 2017

„To claim that such a theatrical work leads to some sort of surprise or discovery, it would be inconsistent with its aims. It is not so much about the discovery of profound social contradictions, rather then targeting the ability of the theater to act on an individual, biographical level raising resemblance questions, which are otherwise mostly left in the hands of the media. In this way, the theater tries to preserve its freedom, distinguishing itself. So, in the general chorus of theatrical practices from the recent decades, She She Pop is certainly part it.“
Violeta Detcheva, “Kultura” magazine, 01.12.2017

„Oratorio“, at least for me, provoked on many levels feeling for awakening, for clarity, for uncompromisingness and truth. But most of all, it has proven the ever-growing need to articulate from the stage even the simplest and most obvious things that are actually the most difficult to define.“
Elena Angelova, portal “Kultura”, 01.12.2017

Kritik zum Showing in Hannover, Juni 2017

„…manches deutet darauf hin, dass „Oratorium“ – nach She She Pops Erfolgsstück „Testament“ über das Erben – ein ähnlich feiner, selbstironischer Abend werden wird.“
Mounia Meiborg, Süddeutsche Zeitung, 15.06.2017

„So hätte es Brecht gefallen…“
Stefan Gohlisch, Neue Presse, 11.06.17

„…grundsätzliche gesellschaftliche Fragen, die nachdenklich stimmen konnten. Dennoch mangelte es dem Abend nicht an Humor…“
Kreiszeitung, 15.06.17

Besessen

Ein kollektiver Monolog

Menschen sind besessen von Ideen. Aber auch von Dingen. Fürs Monologfestival folgen She She Pop der Idee vom Besitz, die im Miteinander von Menschen eine unheimliche Hauptsache geworden ist: Wer nichts hat, muss sich verdingen. Aber auch wer zuviel besitzt, sagt man, wird davon besessen. Das ist sie, die Gemeinschaft der Besessenen.
She She Pop treten an, um „Theater ohne Publikum“ eine neue Seite abzugewinnen. Wie in der Brechtschen Lehrstück-Theorie vorgeschlagen, nehmen die Anwesenden  probehalber Haltungen ein und geben Reden wieder. Im Monolog Besessen wird so ein vielstimmiges Selbstgespräch zu hören sein, bei dem die Gemeinschaft zu Wort kommt. Eine Gemeinschaft, die sich über Besitzverhältnisse und die dadurch entstehenden Verwerfungen Gedanken macht. Sie vergewissert sich sprechend ihrer selbst und stellt fest, dass sie uneins ist.

Credits

Von und mit She She Pop (Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf.) Künstlerische Mitarbeit: Ruschka Steininger. Mitarbeit Produktion: Alisa Tretau. PR: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro. Kommunikation und Produktion: Tina Ebert. Company Management und Administration: Aminata Oelßner, Elke Weber.

Eine Produktion von She She Pop und Theaterdiscounter – Monologfestival 2016.Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin.

Termine

11. Mai 2024, Polis Teatro Festival, Ravenna

Vergangene Termine:
06. Juni 2023, re:publica, Berlin
11. Juni 2022, Hangö Teaterträff Finland, Hanko
07., 11., 15. Dezmeber 2019, Litauisches Nationales Dramatisches Theater, Vilnius
07. September 2019, at.tension Festival, Lärz
24. November 2018, Festspielhaus Hellerau, Dresden
06. November 2018, Litauisches Nationales Dramatisches Theater, Vilnius
1. Juli 2017, Impulse Theaterfestival, Köln
30. Juni 2017, Impulse Theaterfestival, Köln
29., 30. Oktober 2016, Theaterdiscounter, Berlin

Termine

11. Mai 2024, Polis Teatro Festival, Ravenna

Pressestimmen

Über „POZESIJOS OBSESIJA – A collective monologue about property in Lithuania“. Nach der Übersetzung des bestehenden Textes von „Besessen“ und einer Recherche über Besitz in Litauen.

Das Format entspricht dem Stück „Besessen“ von She She Pop, doch der Text unterscheidet sich. Das deutsche Performancekollektiv prägte für dieses Format den Begriff des „kollektiven Monologs“. Die Chöre des Abends erzählen einen gemeinsamen Text. Eine augenblickliche Collage, die verschiedene Positionen und Probleme zu einem komplexen Monolog zusammenfügt. (…)
Der „kollektive Monolog“ beginnt knallhart: Die soziale Ungerechtigkeit kommt auf den Tisch. Dabei ergreifen zwei Chöre das Wort, die Gegenspieler sind: Die Reichen und Menschen, die vom Mindestlohn leben, der aktuell bei 3,39 Euro pro Stunde liegt. (…)

Die Reden im Chor steuern schon auf das letzte Drittel des Abends zu, als aus dem erleuchteten Zuschauerraum ein Mann zum Klavier läuft. Er beginnt sachte, eine Melodie zu spielen, das Publikum stimmt ein. Ein neuer Chor bildet sich. Alle sind jetzt zum Mitsingen aufgefordert. Sie singen textsicher, leise und zurückhaltend. (…) Im Schutzraum des Theaters wirkt es (…) wie eine kollektive Erinnerung an die Solidarität, die im Baltischen Weg 1989 greifbar wurde. Tausende Menschen bildeten zwischen Vilnius und Tallinn eine Menschenkette. Ihr gemeinsames Ziel: Unabhängigkeit von der Sowjetunion. (…)

Diese Solidarität wird im Laufe des Abends noch einmal gefunden. Mit dem Chor aller, die komplett ­enttäuscht sind. Sie beklagen das Zerplatzen der Hoffnungen, die mit der Revolution oder dem EU- und dem Nato-Beitritt 2004 einhergegangen waren. Sie beklagen sich, nicht mitbekommen zu haben, wie sie zu Sklaven wurden. Denn sie gehen arbeiten und wissen am Ende des Monats trotzdem nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. (…)
Umso wichtiger erscheint es, den Monolog in ländliche Zentren zu bringen. Denn er regt an. Zur Reflexion, zur Diskussion, zur Übung im Theaterraum.“

Pia Martz, taz, 17. 4. 2019