Dance Me!

Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Dance Me! ist ein Tanzmarathon, in dem zwei Generation gegeneinander antreten. Die Bühne ist eine Arena, in der She She Pop und Gäste in der Rolle der Alten auf eine Gruppe junger Performer*innen treffen. Das gegenseitige Unverständnis, der Generation Gap, wird in einem streng reglementierten Tanz-Ritual auf die Bühne gebracht und gefeiert. Die Teams wechseln sich ab: Wer nicht auf die Tanzfläche muss, steht an den Mikrofonen und macht die Musik. Die Generationen geben einander nicht nur den Beat vor und treiben sich an, sie nutzen auch die Gelegenheit, sich in langen Litaneien zu beklagen und gegenseitig zu beschimpfen. Oder zu bewundern? Und einander zu danken? – Wir wissen es nicht.
Was ist überhaupt eine Generation? Gibt es sie wirklich? Und wenn ja: Was haben wir einander zu sagen? Schaut her, hört zu: Das haben wir gelernt, hier liegt unsere Weisheit, das ist unsere Sorge, unser Begehren, unsere Langeweile, unser blinder Fleck. Dieser Tanzschritt, diese Formation erzählt davon, diese Songzeile fasst alles zusammen! Get up, stand up / Let me hear your body talk / Don’t stop til you get enough / Shablam for me / Da Da Da / Dance me to the end of love…! Die beiden Teams trainieren für diesen Abend getrennt voneinander und konfrontieren sich in der Show mit ihren aktuellsten Moves.

Credits

Konzept/Idee: She She Pop (Die Besetzung wechselt jeden Abend). Von und mit (alt): Sebastian Bark, Dan Belasco Rogers, Santiago Blaum, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Tatiana Saphir, Claudia Splitt, Berit Stumpf. Von und mit (jung): Hiyam Biary, Eren M. Güvercin, Jan Nwattu, Şimal Nil Şahin, Nikolas Stäudte, Béla Arnaud Weimar-Dittmar, Zelal Yesilyurt, Sindi Zeneli.

Künstlerische Mitarbeit: Laia Ribera Cañénguez, Rodrigo Zorzanelli Cavalcanti, Bühne: Jan Brokof, Kostüm: Lea Søvsø, Mitarbeit Kostüm: Marie Göhler und Gabi Bartels, Lichtgesign: Andreas Harder, Mitarbeit Lichtdesign: Vito Walter, Choreografische Beratung: Jill Emerson, Ton: Xavier Perrone, Technische Leitung: Sven Nichterlein, Produktionsleitung: Valeria Germain, Produktionsassistenz Jung: Sarah Mounia Kachiri, PR & Kommunikation: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro, Freie Mitarbeit Kommunikation: Tina Ebert, Finanzadministration: Aminata Oelßner, Company Management: Elke Weber.

Workshop Input: The Darvish, Jasmine Thomas, Bree Hauschild, Sven Drühl.
Dank an: Max Knoth, Stella Konstantinou und Peggy Mädler.

Englische Live Übersetzung: PANTHEA/Irina Bondas (22. und 23.01.2022).

Audiodeskription: Pingpong Translation & Subtitling/Martina Reuter (24.01.2022).

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Trailer

Termine


Vergangene Termine:
11, 12., 13. Februar 2022, Kampnagel, Hamburg
19., 21., 22., 23., 24. Januar 2022, HAU, Berlin
18. Januar 2022, HAU, Berlin

Pressestimmen

„In den Tanz-Einlagen dazu liegt viel Liebe zur Verausgabung und choreographische Verbundenheit, zu Popkultur-Reminiszenzen, charmantem, Macarena-Song-inspiriertem Arm- und Hüftgeschwinge, Trance und Improvisation. Körperkraft und -gewicht werden in den Boden getanzt, repetitive Formationen zu Clubsounds gezeichnet, immer wieder Bewegungsfolgen einzelner Performer*innen in Gruppenbilder übersetzt. Es sind schöne Bilder für Spannungsfelder, auf denen individuelle Lebensentwürfe mit Zeitgeist, Sozialisation und Ökonomie zusammentreffen.“
Stephanie Drees, Nachtkritik, 19.01.2022

„Selbst gehören die Per­for­me­r:in­nen der Altersklasse Ü50 an. Eingeladen haben sie Kolleginnen und Kollegen um die 20, teils noch darunter. Die Alterskohortenvertreter treten als zwei Mannschaften in einer Art Gameshow an, deren Prototyp von der Elterngeneration von She She Pop entwickelt wurde – damals, als das Fernsehen gerade bunt wurde. Klassische Elemente des Boxens werden übernommen, mit blauen und roten Boxermänteln für die Kennzeichnung der Rivalen, mit Gongs, die jede neue Runde einläuten, mit Leuchtanzeigen und einem Quadrat als Kampffläche.(…) Die Älteren zeigen dabei routiniert die Vorteile frühkindlichen Musikunterrichts und erzeugen händisch, an Akkordeon, E-Gitarre und Flöte, die Songs ihrer Generation. Die Jüngeren lassen die Maschinen performen, drehen bestenfalls an Reglern. Das Bewegungsrepertoire der Jüngeren wiederum ist flexibler; sie passen ihre einstudierten Moves geschmeidiger an die Musik an, die ihnen die Älteren präsentieren.“
Tom Mustroph, taz, 20.01.2022

„Die Musik wird live hergestellt, das ist eine der charmantesten Ideen an diesem eingesamten sehr charmanten und auch mitreißendem Abend, dass die (Beteiligten) alle selbst musizieren. Aber eben auch die Musik, die ihnen selbst am Herzen liegt (…), die (Beteiligten) haben dabei ganz unterschiedliche Vorstellungen von Musik. (…) Man merkt, diese tiefen Gräben sind da und das wird von dem Abend auch nicht überbuttert (…), das ist eine gegenseitige Liebeserklärung.“
André Mumot, Deutschlandfunkkultur, 20.01.2022

Hexploitation

Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Paula Reissig
Foto: Paul Holdsworth
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen

1962 erschien der Film Whatever Happened to Baby Jane in den Kinos. Der psychologische Horrorthriller über zwei alternde weibliche Filmstars wurde zu einem überraschende Erfolg und begründete ein ganz neues Film-Genre: den sogenannten Psycho Biddy– oder Hagsploitation-Film. Die Film-Diva tritt in studierter Pose vor den Spiegel, sie sieht ihr gealtertes Gesicht als Zerrbild ihrer selbst und bricht darüber in einen grauenerregenden Schrei aus. Ein Bild, das zur Ikone geworden ist.

Dieses Jahr werden die Mitglieder von She She Pop alle um die 50 Jahre alt sein. Und so beschäftigen sie sich in Hexploitation mit der Angst vor der hag, der alten Frau und der Hexe. Dafür setzen die Performerinnen selbstverständlich ihre alternden Körper ein. Mit ihnen kämpfen sie gegen das Verschwinden und den Bedeutungsverlust, den Frauen jenseits der Gebärfähigkeit als gesellschaftliche Subjekte erleiden. Bis heute dient die Bezeichnung ‚Hexe‘ dazu, Frauen zu disziplinieren oder sie sozial herabzusetzen. Die Hexe, die anarchische, häretische Frau, steht für unproduktive Sexualität und für allgemein deviantes Verhalten gegenüber Machtstrukturen und Autoritäten.

In Hexploitation sperren She She Pop sich und ihr Publikum in einen Bühnenraum als düster-kitschiges Film-Set, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Live-Kamera dient ihnen als Vergrößerungsspiegel und intimes Untersuchungsinstrument. Mit ihrer Hilfe erforschen She She Pop als alternde psycho biddies eigene verstörende Makel und Obsessionen, sie spüren Tabus nach und untersuchen tradierte Hexendarstellungen. Dabei entdecken sie die Kamera auch als Zauberkasten, durch den sich der eigene Körper transzendieren lässt, um mit melodramatischem Ekel und komischer Lust immer neue befreiende Selbstbilder zu schaffen: „Mr. DeMille, I’m ready for my close-up!“ (Norma Desmond in Sunset Boulevard, 1950).

Credits

Von und mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf.

Musik: Santiago Blaum, Director of Photography & Video Installation: Benjamin Krieg, Bühne: Sandra Fox, Kostüme: Lea Søvsø, Mitarbeit Kostüm: Lili Hillerich und Mads Dinesen, Künstlerische und dramaturgische Mitarbeit: Laia Ribera Cañénguez, Sounddesign: Manuel Horstmann, Licht: Michael Lentner, Technische Leitung: Sven Nichterlein, Video Assistenz: Daniela Garcia del Pomar, Feinmechanik Kamerasteuerung: Thilo Gödel, Embedded Software Ingenieur – Kamerasteuerung: Grzegorz Zajac, Hospitanz: Carolin Bodensteiner, Rodrigo Zorzanelli Cavalcanti, Produktionsleitung: Valeria Germain, PR, Kommunikation: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro, Freie Mitarbeit Kommunikation: Tina Ebert, Finanzadministration: Aminata Oelßner, Company Management: Elke Weber.

Dank an: Veronica Dyas (Dublin), Claudia Opitz (Basel), Eva von Redecker (Berlin), Takako Shibata (Tokyo).

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf, Residenz Schauspiel Leipzig, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Kaserne Basel und Festival delle Colline Torinesi Turin / TPE – Teatro Piemonte Europa.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Trailer

Termine

26., 27., 28., 29. Mai 2022, HAU, Berlin

Vergangene Termine:
18., 19. Februar 2022, Europäisches Zentrum der Künste Hellerau, Dresden
07., 08., 09. Februar 2022, Residenz Schauspiel Leipzig, Leipzig
10., 11., 12. Dezember 2021, FFT, Düsseldorf
26., 27. November 2021, Europäisches Zentrum der Künste Hellerau, Dresden CANCELLED
14., 15., 16., 17. Juli 2021, Mousonturm im Frankfurt LAB, Frankfurt am Main
17., 18. Juni 2021, Kaserne Basel, Basel
29., 30. Januar 2021, Europäisches Zentrum der Künste Hellerau, Dresden CANCELLED
01. November 2020, Kampnagel, Hamburg
30., 31. Oktober 2020, Kampnagel, Hamburg
20., 22., 23., 24. September 2020, HAU, Berlin
19. September 2020, HAU, Berlin

Termine

26., 27., 28., 29. Mai 2022, HAU, Berlin

Pressestimmen

„(…)Wie im Selbsterfahrungskurs als quasi frisch Pubertierende sitzen nun vier der She She Pop-Mitglieder (bei der Premiere Johanna Freiburg, Berit Stumpf, Mieke Matzke, Sebastian Bark) halbnackt auf der Bühne, betrachten mit Spiegeln ihre Geschlechtsteile – der Zeitpunkt ist reif, sich mal wieder gründlich den eigenen Körper anzuschauen, das eröffnet sich hier von Anfang an und hat etwas hinreißend Intimes jenseits jeder Peinlichkeit. (…)
(…) Alles soll sichtbar sein. Es geht ums dünner und dicker werden, um Altersflecken, Stirnfalten, Bauchfett oder Menstruationsblut. Eine selbstironische körperliche Bestandsaufnahme legen die Performer*innen vor, die sich am Ende in eine großartige Pop-Show verwandelt. (…)
(…) In einer der schönsten Szenen werden einzelne gefilmte Körperteile auf der Videoleinwand verfremdet zusammengesetzt. So wird ein Kopf zum Unterleib oder krabbelt Sebastian Bark wie bei einer Geburt aus einer Scham heraus. Es sind herrlich selbstironische Geschlechter-Bilder, eine filmische Transformation, die austeilt und ironisiert in alle Richtungen. (…)“
Simone Kaempf, nachtkritik, 19.09.2020

„(…) Nicht nur Falten und Bauchspeck werden gezeigt, auch die weibliche Scham wird in Großaufnahmen an die Bühnenwand projiziert und immer wieder furios verfremdet. Körperteile und Gesichter verbinden sich, während über die Geschichte der Hexenverfolgung gesprochen wird oder die Performerinnen über Menstruation diskutieren, den Frauenkörper im Kapitalismus und körperliche Selbstwahrnehmung. „Sind das die Scheinwerfer oder erlebe ich eine Hitzewallung?“, fragt Berit Stumpf einmal. Der gerade einmal siebzigminütige Abend ist eine postdramatische Tour de Force, freudvoll, witzig und kampfeslustig. (..) Die Wirkung ist elektrisierend, das Publikum beglückt, gestärkt, verhext.“
André Mumot, Deutschlandfunk Kultur, 19.09.2020

„(…) Dass das weder pornographisch wirkt, noch provokant, sondern wie ein natürlicher Teil einer intimen Recherche, liegt am augenzwinkernden Spiel der Gruppe. Nicht ans diesem Abend ist verkrampft oder ausgestellt. (…) (…) der Abend gleicht einer höchst selbstironischen Mischung aus Horrorfilm und Hexenküche.(…) Es ist (..) [die] Intimität, die Unaufgeregtheit und der Humor, die einen erreichen.“
Barbara Behrendt, Inforadio RBB Kultur, 19.09.2020

„(…) Ein Körper ist eben nie nur ein Körper, am wenigsten ein weiblicher, weshalb der eigentliche Hauptparcours von „Hexploitation“ darin besteht, sich durch das Geflecht männlich dominierter Fremderzählungen, Mythen und Manipulationen vorzuarbeiten, die den weiblichen Körper erst kategorisierbar und verfügbar halten. Der hartnäckigen Diagnose von emotionaler Gereiztheit im Klimakterium etwa, die Mieke Matzke im Dozententon vorträgt, setzen die Performerinnen einfach den radikal emotionslosen, kalten Blick auf ihre genitale Anatomie entgegen. (…)„Hexploitation“ (…) überrascht durch seine gänzlich schamfreie Radikalität.“
Doris Meierhenrich, Berliner Zeitung, 21.09.20

„(…) Konsequenterweise wird fast durchweg im offenen Morgenmantel oder gleich unbekleidet gespielt. Was keine ästhetischen Konventionen sprengt, sondern darauf verweist, dass nicht zuletzt im Kulturbetrieb für Frauen jenseits der 50 Raum und Rollen schwinden. Die Menopause als Löschtaste. Da geht es um die nackte Existenz. She She Pop zelebrieren den Ausbruchsversuch aus dieser jahrhundertealten Erzählung vom vermeintlichen weiblichen Verblühen im coolen Filmstudio- Setting. Der Videokünstler Benjamin Krieg schafft hier eine bemerkenswerte Bildebene als eigene Erzählung: Mit Close-Ups von Vulven, die auch mal als Bilderkarussell das gesamte Theater einnehmen, mit ineinander gemorphten Gesichtern der Beteiligten und anderen smarten Überblendungen (…).“
Patrick Wildermann, Tagesspiegel, 21.09.20

„(…) Der Abend ist eine brodelnde Mischung aus Hexensabbat und Ausbeutungsdiskurs, der zwar, wie bei She She Pop üblich, seinen Ausgang im radikalen Exhibitionismus der jeweiligen Gruppenmitglieder nimmt, jedoch nahezu unmittelbar in eine umfassende, Jahrzehnte umspannende Strukturanalyse überkocht. Im Hexenkessel sitzen: die pathologisierte Frau um die fünfzig; die medizinische Forschung, die ihre Medikamente grundsätzlich am Organismus des Mannes orientiert; eine ziemliche Armada misogyner Dichter und Denker (Rainer Maria Rilke „Die Welke“) und viele Schlechtigkeiten mehr, kombiniert mit schonungslosen Nahaufnahmen von Körperfalten, Hängetitten und schütter werdendem Haar der Gruppenmitglieder. Wer hier Authentizität kreischt, muss auch Brechung rufen, denn der so viel gescholtene Authentizitätsbegriff wird, wie eigentlich immer bei She She Pop, in diesem lectureperformativen Gesamtkunstwerk aus Text, Musik (Santiago Blaum), Video (Benjamin Krieg) und schrägen Kostümen (Lea Søvsø) gekonnt unterlaufen (…).“
Dorte Lena Eilers, Theater der Zeit, 1/2021

„(…) She She Pop erklären den Patriarchen dieser Welt den Krieg und stimmen danach Lana Del Reys Hymne «Young and Beautiful» an, in der «jung» und «hübsch» gerade keine Voraussetzungen für ein würdevolles Leben sind. Spätestens jetzt ist klar, dass hier eine Gruppe am Werk war, die von weiblichen Problemen etwas versteht, ohne in plumpen Aktivismus zu verfallen. Denn dieser Abend moralisiert nicht, sondern betrachtet sein Sujet kulturhistorisch, popkulturell, lebensnah und stößt mit der offenen Zurschaustellung von Körpern und Selbstzweifeln einen Selbstheilungsprozess an, von dem viele Theaterschaffende mit ihrem Fashionfeminismus nur träumen können.“
Anna Fastabend, Theater heute, Oktober 2020

„Keine Chance, dass diese fidele, entspannt wirkende Truppe sich aufs Altenteil zurückzieht und von der Erinnerung lebt – diese Zitronen haben noch viel Saft, könnte man mit Lotti Huber sagen. Rund 75 Minuten lang trumpfen die She Shes auf, nehmen sich dabei auch selbst auf den Arm und keine Rücksicht auf die Älteren im Publikum, heben manchmal, aber nur manchmal ein bisschen den Zeigefinger. „Hexploitation“ ist eine Materialsammlung wie auch eine bunte, unterhaltsame Kampferklärung ans Patriarchat. Die ist leider immer noch bitter notwendig.“
Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau, 15.07.2021

Workshop International Summer Camp Academy 2021 (Warsaw)

Die Sommercamp-Akademie wird in Zusammenarbeit mit Komuna/Warszawa, La Comedie de Clermont Ferrand und dem Epidaurus-Festival in Athen im Rahmen des Projekts „Auf der Suche nach einer Heimat – Ithaca“ von Creative Europe organisiert.

 

 

Credits

Workshop gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von „NEUSTART KULTUR.“

Termine


Vergangene Termine:
01. - 03. Juli 2021, Nowy Teatr, Warschau

Oratorium

Kollektive Andacht zu einem wohlgehüteten Geheimnis
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Katrin Ribbe / Theaterformen Hannover
Foto: Maciej Rukasz / Centrum Kultury w Lublinie
Foto: Maciej Rukasz / Centrum Kultury w Lublinie
Foto: Ruzhin | ACT Independent Theatre Festival 2017
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Benjamin Krieg / HAU Berlin
Foto: Robin Junicke / Impulse Theaterfestival 2018
Foto: Robin Junicke / Impulse Theaterfestival 2018
Foto: Robin Junicke / Impulse Theaterfestival 2018
Foto: Robin Junicke / Impulse Theaterfestival 2018
Foto: Robin Junicke / Impulse Theaterfestival 2018

„Dass da gehören soll, was da ist, denen, die für es gut sind.“ (B. Brecht)

Eigentum verändert das Bewusstsein. Es trennt Freund*innen, es erteilt Macht über andere, es schließt aus. Eigentum ist selbstverständlich. Und man spricht nicht darüber. Nichts ist so konstituierend für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben, nichts wirkt so trennend auf die Gemeinschaft wie das Eigentum. She She Pop möchten mit ORATORIUM das Geheimnis des Eigentums lüften, es auf eine Bühne zerren. Man sagt, das Theater westlicher Ausprägung beginnt mit dem Protagonisten Thespis, der sich vor 2500 Jahren vor den Chor gestellt hat. Man könnte aber auch sagen: In diesem Moment ist die Bühne privatisiert worden. Das Individuum wurde seither konsequent überschätzt, überfordert und emotional ausgebeutet. ORATORIUM möchte ein Schlaglicht auf den Zusammenhang von bürgerlicher Öffentlichkeit, Eigentum und demokratischer Ermächtigung werfen.
Gemeinsam mit dem Chor der lokalen Delegierten und ihrem jeweiligen Publikum werden She She Pop über Eigentum sprechen und auf die eigenen Besitzverhältnisse, die Verteilung der Güter und die damit verbundenen Verwerfungen schauen. Inspiriert von Brechts Lehrstücktheorie entwickeln sie Regeln für den dialogischen Theaterabend und bilden uneinige Sprechchöre, die jeden Abend aufs Neue unseren Umgang mit dem Eigentum verhandeln.
Wer darf sprechen? Wer ist präsent, wer wird repräsentiert? Aus der Vielstimmigkeit, der Uneinigkeit und dem immer nur für Momente zu erreichenden Einklang entsteht ein kollektiver Monolog.
ORATORIUM ist ein work-in-progress, dessen Premiere im Februar 2018 am HAU Hebbel am Ufer in Berlin stattgefunden hat. Ein erstes Showing war 2017 bei Theaterformen in Hannover zu sehen und es folgten weitere Stationen beim Konfrontacje Teatralne Festival in Lublin und dem ACT Independent Theater Festival Sofia.
ORATORIUM war auf einer Reise durch Europa, in deren Verlauf es Momentaufnahmen aus anderen ökonomischen Mikrokosmen gesammelt hat und sich von Station zu Station weiter entwickelt zu einer großen vielstimmigen Andacht.

Credits

Von und mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf sowie dem Chor der lokalen Delegierten.

Bühne: Sandra Fox. Kostüme: Lea Søvsø. Musik: Max Knoth. Künstlerische Mitarbeit Produktion: Ruschka Steininger. Dramaturgische Mitarbeit: Peggy Mädler. Künstlerische Mitarbeit Tour: Laia Ribera, Alisa Tretau. Technische Leitung & Lichtdesign: Sven Nichterlein. Produktionsleitung: Anne Brammen. Kommunikation: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro. freie  Mitarbeit Kommunikation: Tina Ebert. Finanzadministration: Aminata Oelßner. Company Management: Elke Weber.

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Festival Theaterformen, Münchner Kammerspiele, Schauspiel Stuttgart, Kaserne Basel, Residenz Schauspiel Leipzig, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf, Konfrontacje Teatralne Festival Lublin und ACT Independent Theater Festival Sofia.

Premiere, Februar 2018, HAU Hebbel am Ufer, Berlin

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
www.kulturstiftung-des-bundes.de

Trailer

Termine

01., 02. Juni 2022, E-Werk Freiburg Festival, Freiburg

Vergangene Termine:
14.,15., 16. Januar 2021, Le Maillon Theater of Strasbourg – European stage, Straßburg CANCELLED
23., 24. Mai 2020, Freiburg Festival, Freiburg ggf. POSTPONED
16., 17. Mai 2020, Oldenburgisches Staatstheater / Bandenfestival, Oldenburg ggf. POSTPONED
7., 8., 9. April 2020, Le Maillon Theater of Strasbourg – European stage, Straßburg POSTPONED (Januar 2021)
13., 14., 15. Dezember 2019, Schauspiel Leipzig, Leipzig
3., 4. Oktober 2019, HAU, Berlin
10., 12., 13., 14. Mai 2019, HAU, Berlin
28., 29., 30. März 2019, FFT, Düsseldorf
2., 3. März 2019, Brechtfestival, Augsburg
8., 9., 10. Februar 2019, Kampnagel, Hamburg
10., 11., 12. Januar 2019, Santiago a Mil, Santiago de Chile
9., 10. November 2018, Festival Politik im Freien Theater, München
3., 4. Oktober 2018, HAU, Berlin
30. September 2018, HAU, Berlin
1., 2. September 2018, Mousonturm, Frankfurt am Main
31. August 2018, Mousonturm, Frankfurt am Main
23., 24. Juni 2018, Schauspiel Stuttgart, Stuttgart
14., 15. Juni 2018, Impulse Theater Festival, Mühlheim
24., 25., 26. Mai 2018, Kaserne Basel, Basel
18., 19., 20. April 2018, Münchner Kammerspiele, München
23., 24., 25. März 2018, HAU, Berlin
9., 10., 12., 13., 14. März 2018, Schauspiel Leipzig, Leipzig
10., 11., 12. Februar 2018, HAU, Berlin
9. Februar 2018, HAU, Berlin
14. November 2017, ACT Independent Theater Festival Sofia, Sofia
6., 7. Oktober 2017, Konfrontacje Teatralne Festival Lublin, Lublin
9., 10., 11. Juni 2017, BALLHOF EINS, Hannover

Termine

01., 02. Juni 2022, E-Werk Freiburg Festival, Freiburg

Pressestimmen

„Das Oratorium gibt keine Antwort – aber jede Menge Anregungen zum Weiterdenken und mit dem Element der gemeinsamen Chöre eine Anleitung zur kollektiven Selbstermächtigung. Insofern ein guter Anfang!“
Andrej Holm, Nachtkritik, 13.05.19

„All in all, Oratorium is a triumph of experimental performance: it democratises the space of the theatre to tap into a pressing public discourse, it blows up the concept of passive entertainment by highlighting our collective complicity in capitalistic property relations, and it delivers an inspiring show of solidarity in the process. But, aware of its own formal limitations, it ends on a self-critical, yet optimistic note. Question: what use is all of this? Answer: it’s a rehearsal for what’s to come. As the evening comes to a close and my neighbour and I return to our divergent economic realities, I feel that we both leave the theatre with a heightened sensibility for the nuances of property relations. And that’s a testament to a powerful, political performance. Bertie would approve.“
Nicholas Potter, Theatertreffen-Blog 2019, 12.05.19

„Es ist sowohl der richtige Ort – hier, in dieser Stadt, die gerade Beute wird – als auch die richtige Zeit, dieses experimentelle Spiel mit der Öffentlichkeit zu wagen. Es sind die richtigen Inhalte — Geld, Eigentum Privilegien, Macht, Werte, Gemeinschaft, Erwartungshaltungen des Theaterpublikums — die verhandelt werden. Es sind die richtigen Fragen, die in unserem Hier und Jetzt der Wohnungsnot, explodierenden Mieten, befristeten Arbeitsverhältnisse und ausschließender, sich nach rechts bewegender Gesellschaftsstrukturen gestellt werden. Und es ist die richtige Art, sie zu stellen: Mit viel Humor, niemals selbstgerecht und ohne vorwurfsvollen Unterton. Kurzum: Es ist die richtige Form, Theater zu machen (im Kollektiv, gleichberechtigt, enthierarchisiert).“
Dilan Zuhal Capan, Theatertreffen-Blog 2019, 11.05.19

„Die Inszenierung ist am stärksten, wenn sie das Publikum beteiligt, dieses im Wechselspiel mit den Darstellern die eingeblendeten Texte spricht und sich zu ihnen verhält. Etwa, wenn alle Erben dazu aufgefordert werden, auf der Bühne zu sagen, was sie erben werden und die Gesamtsumme ihrer Erbschaften zusammenzurechnen. Die altgediente Regel „Über Geld spricht man nicht“ wird ausgehebelt, der Zuschauer zum Voyeur. Als ein Mann erklärt, er erbe ein Haus mit Garten in Sachsenhausen, geht ein Raunen durchs Publikum – Frankfurter wissen, wie viel sein Besitz wert ist. „Oratorium“ appelliert an die moralische Verantwortung der Besitzenden, aber die Inszenierung offenbart auch Widersprüche, in die ein einzelner Wohnungsbesitzer geraten kann und entgeht so einer einseitigen Moralisierung. Indem das Publikum als Chor benutzt wird, zeigt sie auf, dass die Verteilung von Besitz nicht nur eine private, sondern eine gesellschaftliche Angelegenheit ist.“
Grete Götze, Frankfurter Rundschau, 03.09.2018

Überhaupt ist „Oratorium“ von der ersten Sekunde an, sehr, sehr unterhaltsam. … Nicht nur, weil der ein oder andere kluge Gedanke formuliert wird, der jeden betrifft, auf der Bühne und der Tribüne. Sondern weil man heutzutage ja selten erlebt, dass jemand, in heiterer Strenge, wirklich versucht, nach Form, Wort und Musik die Lehrstücke Bertolt Brechts als Vorlage zu nehmen. Lehrstücke, weil alle etwas lernen können, und weil es im Grunde kein Publikum gibt. Weshalb all jene, die nun bei den drei Frankfurter Aufführungen mitsprachen, als Chor keinen geringen Anteil am Gelingen hatten.“
Eva-Maria Magel, FAZ, 03.09.2018

In „Oratorium“ werden keine politischen Positionen proklamiert; vielmehr verdeutlichen die unterschiedlichen Akteure verschiedene ökonomische Ausgangslagen. (…) Tatsächlich hat dieses eine wichtige Rolle in der Performance: Denn es ist gehalten, sich in chorischen Aktionen und im Wechsel mit den Darstellern in eingeblendeten vorgegebenen Texten einzubringen und zu outen. Das hat auch etwas Liturgisches. (…) aus dem Schutzraum Theater (wird), wie im Untertitel der Performance angedeutet, tatsächlich ein Andachtsraum, in dem vielstimmige Gruppen und Sprechchöre, der Chor der Delegierten als Stellvertreter der regionalen Gesellschaft, ein Chor der Erbinnen, aber auch Einzelstimmen hörbar werden und Fragen zum Thema Eigentum aufwerfen – durchaus bekannte, mitunter moralisierende, aber allemal bedenkenswerte.
Badische Zeitung, 25.Mai 2018

Kritik zur Premiere in Berlin, Februar 2018

„Die Überraschung kommt gleich zu Beginn. Eigentlich hat noch gar nichts richtig begonnen auf der dunklen, leeren Spielfläche des HAU2. Nur eine Schrift auf der Leinwand gibt knappe Anweisungen. Aber die sind so aufru?ttelnd, dass das Publikum schon mal zehn, fünfzehn Minuten lang in eine Stimmung versetzt wird, die man sonst nur vom Kabarett oder Karneval kennt. Sage noch jemand, die Anhänger der Postdramatik seien theorielastige, empathiefeindliche Theaterskeptiker.“
Doris Meierhenrich, Berliner Zeitung, 12.02.2018

Kritik zum Showing in Sofia, November 2017

„To claim that such a theatrical work leads to some sort of surprise or discovery, it would be inconsistent with its aims. It is not so much about the discovery of profound social contradictions, rather then targeting the ability of the theater to act on an individual, biographical level raising resemblance questions, which are otherwise mostly left in the hands of the media. In this way, the theater tries to preserve its freedom, distinguishing itself. So, in the general chorus of theatrical practices from the recent decades, She She Pop is certainly part it.“
Violeta Detcheva, “Kultura” magazine, 01.12.2017

„Oratorio“, at least for me, provoked on many levels feeling for awakening, for clarity, for uncompromisingness and truth. But most of all, it has proven the ever-growing need to articulate from the stage even the simplest and most obvious things that are actually the most difficult to define.“
Elena Angelova, portal “Kultura”, 01.12.2017

Kritik zum Showing in Hannover, Juni 2017

„…manches deutet darauf hin, dass „Oratorium“ – nach She She Pops Erfolgsstück „Testament“ über das Erben – ein ähnlich feiner, selbstironischer Abend werden wird.“
Mounia Meiborg, Süddeutsche Zeitung, 15.06.2017

„So hätte es Brecht gefallen…“
Stefan Gohlisch, Neue Presse, 11.06.17

„…grundsätzliche gesellschaftliche Fragen, die nachdenklich stimmen konnten. Dennoch mangelte es dem Abend nicht an Humor…“
Kreiszeitung, 15.06.17

Besessen

Ein kollektiver Monolog

Menschen sind besessen von Ideen. Aber auch von Dingen. Fürs Monologfestival folgen She She Pop der Idee vom Besitz, die im Miteinander von Menschen eine unheimliche Hauptsache geworden ist: Wer nichts hat, muss sich verdingen. Aber auch wer zuviel besitzt, sagt man, wird davon besessen. Das ist sie, die Gemeinschaft der Besessenen.
She She Pop treten an, um „Theater ohne Publikum“ eine neue Seite abzugewinnen. Wie in der Brechtschen Lehrstück-Theorie vorgeschlagen, nehmen die Anwesenden  probehalber Haltungen ein und geben Reden wieder. Im Monolog Besessen wird so ein vielstimmiges Selbstgespräch zu hören sein, bei dem die Gemeinschaft zu Wort kommt. Eine Gemeinschaft, die sich über Besitzverhältnisse und die dadurch entstehenden Verwerfungen Gedanken macht. Sie vergewissert sich sprechend ihrer selbst und stellt fest, dass sie uneins ist.

Credits

Von und mit She She Pop (Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf.) Künstlerische Mitarbeit: Ruschka Steininger. PR: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro. freie Mitarbeit Kommunikation: Tina Ebert. Finanzadministration: Aminata Oelßner. Company Management: Elke Weber.

Eine Produktion von She She Pop und Theaterdiscounter – Monologfestival 2016.Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin.

Termine

11. Juni 2022, Hangö Teaterträff Finland, Hanko

Vergangene Termine:
07., 11., 15. Dezmeber 2019, Litauisches Nationales Dramatisches Theater, Vilnius
07. September 2019, at.tension Festival, Lärz
24. November 2018, Festspielhaus Hellerau, Dresden
06. November 2018, Litauisches Nationales Dramatisches Theater, Vilnius
1. Juli 2017, Impulse Theaterfestival, Köln
30. Juni 2017, Impulse Theaterfestival, Köln
29., 30. Oktober 2016, Theaterdiscounter, Berlin

Termine

11. Juni 2022, Hangö Teaterträff Finland, Hanko

Pressestimmen

Über „POZESIJOS OBSESIJA – A collective monologue about property in Lithuania“. Nach der Übersetzung des bestehenden Textes von „Besessen“ und einer Recherche über Besitz in Litauen.

Das Format entspricht dem Stück „Besessen“ von She She Pop, doch der Text unterscheidet sich. Das deutsche Performancekollektiv prägte für dieses Format den Begriff des „kollektiven Monologs“. Die Chöre des Abends erzählen einen gemeinsamen Text. Eine augenblickliche Collage, die verschiedene Positionen und Probleme zu einem komplexen Monolog zusammenfügt. (…)
Der „kollektive Monolog“ beginnt knallhart: Die soziale Ungerechtigkeit kommt auf den Tisch. Dabei ergreifen zwei Chöre das Wort, die Gegenspieler sind: Die Reichen und Menschen, die vom Mindestlohn leben, der aktuell bei 3,39 Euro pro Stunde liegt. (…)

Die Reden im Chor steuern schon auf das letzte Drittel des Abends zu, als aus dem erleuchteten Zuschauerraum ein Mann zum Klavier läuft. Er beginnt sachte, eine Melodie zu spielen, das Publikum stimmt ein. Ein neuer Chor bildet sich. Alle sind jetzt zum Mitsingen aufgefordert. Sie singen textsicher, leise und zurückhaltend. (…) Im Schutzraum des Theaters wirkt es (…) wie eine kollektive Erinnerung an die Solidarität, die im Baltischen Weg 1989 greifbar wurde. Tausende Menschen bildeten zwischen Vilnius und Tallinn eine Menschenkette. Ihr gemeinsames Ziel: Unabhängigkeit von der Sowjetunion. (…)

Diese Solidarität wird im Laufe des Abends noch einmal gefunden. Mit dem Chor aller, die komplett ­enttäuscht sind. Sie beklagen das Zerplatzen der Hoffnungen, die mit der Revolution oder dem EU- und dem Nato-Beitritt 2004 einhergegangen waren. Sie beklagen sich, nicht mitbekommen zu haben, wie sie zu Sklaven wurden. Denn sie gehen arbeiten und wissen am Ende des Monats trotzdem nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. (…)
Umso wichtiger erscheint es, den Monolog in ländliche Zentren zu bringen. Denn er regt an. Zur Reflexion, zur Diskussion, zur Übung im Theaterraum.“

Pia Martz, taz, 17. 4. 2019