Dance Me!

Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Foto: Benjamin Krieg
Dance Me! ist ein Tanzmarathon, in dem zwei Generation gegeneinander antreten. Die Bühne ist eine Arena, in der She She Pop und Gäste in der Rolle der Alten auf eine Gruppe junger Performer*innen treffen. Das gegenseitige Unverständnis, der Generation Gap, wird in einem streng reglementierten Tanz-Ritual auf die Bühne gebracht und gefeiert. Die Teams wechseln sich ab: Wer nicht auf die Tanzfläche muss, steht an den Mikrofonen und macht die Musik. Die Generationen geben einander nicht nur den Beat vor und treiben sich an, sie nutzen auch die Gelegenheit, sich in langen Litaneien zu beklagen und gegenseitig zu beschimpfen. Oder zu bewundern? Und einander zu danken? – Wir wissen es nicht.
Was ist überhaupt eine Generation? Gibt es sie wirklich? Und wenn ja: Was haben wir einander zu sagen? Schaut her, hört zu: Das haben wir gelernt, hier liegt unsere Weisheit, das ist unsere Sorge, unser Begehren, unsere Langeweile, unser blinder Fleck. Dieser Tanzschritt, diese Formation erzählt davon, diese Songzeile fasst alles zusammen! Get up, stand up / Let me hear your body talk / Don’t stop til you get enough / Shablam for me / Da Da Da / Dance me to the end of love…! Die beiden Teams trainieren für diesen Abend getrennt voneinander und konfrontieren sich in der Show mit ihren aktuellsten Moves.

Credits

Konzept/Idee: She She Pop (Die Besetzung wechselt jeden Abend). Von und mit (alt): Sebastian Bark, Dan Belasco Rogers, Santiago Blaum, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Tatiana Saphir, Claudia Splitt, Berit Stumpf. Von und mit (jung): Hiyam Biary, Eren M. Güvercin, Jan Nwattu, Şimal Nil Şahin, Nikolas Stäudte, Béla Arnaud Weimar-Dittmar, Zelal Yesilyurt, Sindi Zeneli.

Künstlerische Mitarbeit: Laia Ribera Cañénguez, Rodrigo Zorzanelli Cavalcanti, Bühne: Jan Brokof, Kostüm: Lea Søvsø, Mitarbeit Kostüm: Marie Göhler und Gabi Bartels, Lichtgesign: Andreas Harder, Mitarbeit Lichtdesign: Vito Walter, Choreografische Beratung: Jill Emerson, Ton: Xavier Perrone, Technische Leitung: Sven Nichterlein, Produktionsleitung: Valeria Germain, Produktionsassistenz Jung: Sarah Mounia Kachiri, PR & Kommunikation: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro, Freie Mitarbeit Kommunikation: Tina Ebert, Finanzadministration: Aminata Oelßner, Company Management: Elke Weber.

Workshop Input: The Darvish, Jasmine Thomas, Bree Hauschild, Sven Drühl.
Dank an: Max Knoth, Stella Konstantinou und Peggy Mädler.

Englische Live Übersetzung: PANTHEA/Irina Bondas (22. und 23.01.2022).

Audiodeskription: Pingpong Translation & Subtitling/Martina Reuter (24.01.2022).

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Trailer

Termine

01, 02. September 2022, TANZtheater INTERNATIONAL, Hannover
29. Oktober 2022, Spring Utrecht, Utrecht

Vergangene Termine:
11, 12., 13. Februar 2022, Kampnagel, Hamburg
19., 21., 22., 23., 24. Januar 2022, HAU, Berlin
18. Januar 2022, HAU, Berlin

Termine

01, 02. September 2022, TANZtheater INTERNATIONAL, Hannover
29. Oktober 2022, Spring Utrecht, Utrecht

Pressestimmen

„In den Tanz-Einlagen dazu liegt viel Liebe zur Verausgabung und choreographische Verbundenheit, zu Popkultur-Reminiszenzen, charmantem, Macarena-Song-inspiriertem Arm- und Hüftgeschwinge, Trance und Improvisation. Körperkraft und -gewicht werden in den Boden getanzt, repetitive Formationen zu Clubsounds gezeichnet, immer wieder Bewegungsfolgen einzelner Performer*innen in Gruppenbilder übersetzt. Es sind schöne Bilder für Spannungsfelder, auf denen individuelle Lebensentwürfe mit Zeitgeist, Sozialisation und Ökonomie zusammentreffen.“

Stephanie Drees, Nachtkritik, 19.01.2022

 

„Selbst gehören die Per­for­me­r:in­nen der Altersklasse Ü50 an. Eingeladen haben sie Kolleginnen und Kollegen um die 20, teils noch darunter. Die Alterskohortenvertreter treten als zwei Mannschaften in einer Art Gameshow an, deren Prototyp von der Elterngeneration von She She Pop entwickelt wurde – damals, als das Fernsehen gerade bunt wurde. Klassische Elemente des Boxens werden übernommen, mit blauen und roten Boxermänteln für die Kennzeichnung der Rivalen, mit Gongs, die jede neue Runde einläuten, mit Leuchtanzeigen und einem Quadrat als Kampffläche.(…) Die Älteren zeigen dabei routiniert die Vorteile frühkindlichen Musikunterrichts und erzeugen händisch, an Akkordeon, E-Gitarre und Flöte, die Songs ihrer Generation. Die Jüngeren lassen die Maschinen performen, drehen bestenfalls an Reglern. Das Bewegungsrepertoire der Jüngeren wiederum ist flexibler; sie passen ihre einstudierten Moves geschmeidiger an die Musik an, die ihnen die Älteren präsentieren.“
Tom Mustroph, taz, 20.01.2022

„Die Musik wird live hergestellt, das ist eine der charmantesten Ideen an diesem eingesamten sehr charmanten und auch mitreißendem Abend, dass die (Beteiligten) alle selbst musizieren. Aber eben auch die Musik, die ihnen selbst am Herzen liegt (…), die (Beteiligten) haben dabei ganz unterschiedliche Vorstellungen von Musik. (…) Man merkt, diese tiefen Gräben sind da und das wird von dem Abend auch nicht überbuttert (…), das ist eine gegenseitige Liebeserklärung.“
André Mumot, Deutschlandfunkkultur, 20.01.2022

Hexploitation

Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Paula Reissig
Foto: Paul Holdsworth
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen
Foto: Gernot Wöltjen

1962 erschien der Film Whatever Happened to Baby Jane in den Kinos. Der psychologische Horrorthriller über zwei alternde weibliche Filmstars wurde zu einem überraschende Erfolg und begründete ein ganz neues Film-Genre: den sogenannten Psycho Biddy– oder Hagsploitation-Film. Die Film-Diva tritt in studierter Pose vor den Spiegel, sie sieht ihr gealtertes Gesicht als Zerrbild ihrer selbst und bricht darüber in einen grauenerregenden Schrei aus. Ein Bild, das zur Ikone geworden ist.

Dieses Jahr werden die Mitglieder von She She Pop alle um die 50 Jahre alt sein. Und so beschäftigen sie sich in Hexploitation mit der Angst vor der hag, der alten Frau und der Hexe. Dafür setzen die Performerinnen selbstverständlich ihre alternden Körper ein. Mit ihnen kämpfen sie gegen das Verschwinden und den Bedeutungsverlust, den Frauen jenseits der Gebärfähigkeit als gesellschaftliche Subjekte erleiden. Bis heute dient die Bezeichnung ‚Hexe‘ dazu, Frauen zu disziplinieren oder sie sozial herabzusetzen. Die Hexe, die anarchische, häretische Frau, steht für unproduktive Sexualität und für allgemein deviantes Verhalten gegenüber Machtstrukturen und Autoritäten.

In Hexploitation sperren She She Pop sich und ihr Publikum in einen Bühnenraum als düster-kitschiges Film-Set, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Live-Kamera dient ihnen als Vergrößerungsspiegel und intimes Untersuchungsinstrument. Mit ihrer Hilfe erforschen She She Pop als alternde psycho biddies eigene verstörende Makel und Obsessionen, sie spüren Tabus nach und untersuchen tradierte Hexendarstellungen. Dabei entdecken sie die Kamera auch als Zauberkasten, durch den sich der eigene Körper transzendieren lässt, um mit melodramatischem Ekel und komischer Lust immer neue befreiende Selbstbilder zu schaffen: „Mr. DeMille, I’m ready for my close-up!“ (Norma Desmond in Sunset Boulevard, 1950).

Credits

Von und mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf.

Musik: Santiago Blaum, Director of Photography & Video Installation: Benjamin Krieg, Bühne: Sandra Fox, Kostüme: Lea Søvsø, Mitarbeit Kostüm: Lili Hillerich und Mads Dinesen, Künstlerische und dramaturgische Mitarbeit: Laia Ribera Cañénguez, Sounddesign: Manuel Horstmann, Licht: Michael Lentner, Technische Leitung: Sven Nichterlein, Video Assistenz: Daniela Garcia del Pomar, Feinmechanik Kamerasteuerung: Thilo Gödel, Embedded Software Ingenieur – Kamerasteuerung: Grzegorz Zajac, Hospitanz: Carolin Bodensteiner, Rodrigo Zorzanelli Cavalcanti, Produktionsleitung: Valeria Germain, PR, Kommunikation: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro, Freie Mitarbeit Kommunikation: Tina Ebert, Finanzadministration: Aminata Oelßner, Company Management: Elke Weber.

Dank an: Veronica Dyas (Dublin), Claudia Opitz (Basel), Eva von Redecker (Berlin), Takako Shibata (Tokyo).

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf, Residenz Schauspiel Leipzig, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Kaserne Basel und Festival delle Colline Torinesi Turin / TPE – Teatro Piemonte Europa.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Trailer

Termine

30. September 2022, Festival Politik im freien Theater, Frankfurt am Main
01. Oktober 2022, Festival Politik im freien Theater, Frankfurt am Main
25., 26. Oktober 2022, Festival delle Colline Torinesi, Turin

Vergangene Termine:
26., 27., 28., 29. Mai 2022, HAU, Berlin
18., 19. Februar 2022, Europäisches Zentrum der Künste Hellerau, Dresden
07., 08., 09. Februar 2022, Residenz Schauspiel Leipzig, Leipzig
10., 11., 12. Dezember 2021, FFT, Düsseldorf
26., 27. November 2021, Europäisches Zentrum der Künste Hellerau, Dresden CANCELLED
14., 15., 16., 17. Juli 2021, Mousonturm im Frankfurt LAB, Frankfurt am Main
17., 18. Juni 2021, Kaserne Basel, Basel
29., 30. Januar 2021, Europäisches Zentrum der Künste Hellerau, Dresden CANCELLED
01. November 2020, Kampnagel, Hamburg
30., 31. Oktober 2020, Kampnagel, Hamburg
20., 22., 23., 24. September 2020, HAU, Berlin
19. September 2020, HAU, Berlin

Termine

30. September 2022, Festival Politik im freien Theater, Frankfurt am Main
01. Oktober 2022, Festival Politik im freien Theater, Frankfurt am Main
25., 26. Oktober 2022, Festival delle Colline Torinesi, Turin

Pressestimmen

„(…)Wie im Selbsterfahrungskurs als quasi frisch Pubertierende sitzen nun vier der She She Pop-Mitglieder (bei der Premiere Johanna Freiburg, Berit Stumpf, Mieke Matzke, Sebastian Bark) halbnackt auf der Bühne, betrachten mit Spiegeln ihre Geschlechtsteile – der Zeitpunkt ist reif, sich mal wieder gründlich den eigenen Körper anzuschauen, das eröffnet sich hier von Anfang an und hat etwas hinreißend Intimes jenseits jeder Peinlichkeit. (…)
(…) Alles soll sichtbar sein. Es geht ums dünner und dicker werden, um Altersflecken, Stirnfalten, Bauchfett oder Menstruationsblut. Eine selbstironische körperliche Bestandsaufnahme legen die Performer*innen vor, die sich am Ende in eine großartige Pop-Show verwandelt. (…)
(…) In einer der schönsten Szenen werden einzelne gefilmte Körperteile auf der Videoleinwand verfremdet zusammengesetzt. So wird ein Kopf zum Unterleib oder krabbelt Sebastian Bark wie bei einer Geburt aus einer Scham heraus. Es sind herrlich selbstironische Geschlechter-Bilder, eine filmische Transformation, die austeilt und ironisiert in alle Richtungen. (…)“
Simone Kaempf, nachtkritik, 19.09.2020

„(…) Nicht nur Falten und Bauchspeck werden gezeigt, auch die weibliche Scham wird in Großaufnahmen an die Bühnenwand projiziert und immer wieder furios verfremdet. Körperteile und Gesichter verbinden sich, während über die Geschichte der Hexenverfolgung gesprochen wird oder die Performerinnen über Menstruation diskutieren, den Frauenkörper im Kapitalismus und körperliche Selbstwahrnehmung. „Sind das die Scheinwerfer oder erlebe ich eine Hitzewallung?“, fragt Berit Stumpf einmal. Der gerade einmal siebzigminütige Abend ist eine postdramatische Tour de Force, freudvoll, witzig und kampfeslustig. (..) Die Wirkung ist elektrisierend, das Publikum beglückt, gestärkt, verhext.“
André Mumot, Deutschlandfunk Kultur, 19.09.2020

„(…) Dass das weder pornographisch wirkt, noch provokant, sondern wie ein natürlicher Teil einer intimen Recherche, liegt am augenzwinkernden Spiel der Gruppe. Nicht ans diesem Abend ist verkrampft oder ausgestellt. (…) (…) der Abend gleicht einer höchst selbstironischen Mischung aus Horrorfilm und Hexenküche.(…) Es ist (..) [die] Intimität, die Unaufgeregtheit und der Humor, die einen erreichen.“
Barbara Behrendt, Inforadio RBB Kultur, 19.09.2020

„(…) Ein Körper ist eben nie nur ein Körper, am wenigsten ein weiblicher, weshalb der eigentliche Hauptparcours von „Hexploitation“ darin besteht, sich durch das Geflecht männlich dominierter Fremderzählungen, Mythen und Manipulationen vorzuarbeiten, die den weiblichen Körper erst kategorisierbar und verfügbar halten. Der hartnäckigen Diagnose von emotionaler Gereiztheit im Klimakterium etwa, die Mieke Matzke im Dozententon vorträgt, setzen die Performerinnen einfach den radikal emotionslosen, kalten Blick auf ihre genitale Anatomie entgegen. (…)„Hexploitation“ (…) überrascht durch seine gänzlich schamfreie Radikalität.“
Doris Meierhenrich, Berliner Zeitung, 21.09.20

„(…) Konsequenterweise wird fast durchweg im offenen Morgenmantel oder gleich unbekleidet gespielt. Was keine ästhetischen Konventionen sprengt, sondern darauf verweist, dass nicht zuletzt im Kulturbetrieb für Frauen jenseits der 50 Raum und Rollen schwinden. Die Menopause als Löschtaste. Da geht es um die nackte Existenz. She She Pop zelebrieren den Ausbruchsversuch aus dieser jahrhundertealten Erzählung vom vermeintlichen weiblichen Verblühen im coolen Filmstudio- Setting. Der Videokünstler Benjamin Krieg schafft hier eine bemerkenswerte Bildebene als eigene Erzählung: Mit Close-Ups von Vulven, die auch mal als Bilderkarussell das gesamte Theater einnehmen, mit ineinander gemorphten Gesichtern der Beteiligten und anderen smarten Überblendungen (…).“
Patrick Wildermann, Tagesspiegel, 21.09.20

„(…) Der Abend ist eine brodelnde Mischung aus Hexensabbat und Ausbeutungsdiskurs, der zwar, wie bei She She Pop üblich, seinen Ausgang im radikalen Exhibitionismus der jeweiligen Gruppenmitglieder nimmt, jedoch nahezu unmittelbar in eine umfassende, Jahrzehnte umspannende Strukturanalyse überkocht. Im Hexenkessel sitzen: die pathologisierte Frau um die fünfzig; die medizinische Forschung, die ihre Medikamente grundsätzlich am Organismus des Mannes orientiert; eine ziemliche Armada misogyner Dichter und Denker (Rainer Maria Rilke „Die Welke“) und viele Schlechtigkeiten mehr, kombiniert mit schonungslosen Nahaufnahmen von Körperfalten, Hängetitten und schütter werdendem Haar der Gruppenmitglieder. Wer hier Authentizität kreischt, muss auch Brechung rufen, denn der so viel gescholtene Authentizitätsbegriff wird, wie eigentlich immer bei She She Pop, in diesem lectureperformativen Gesamtkunstwerk aus Text, Musik (Santiago Blaum), Video (Benjamin Krieg) und schrägen Kostümen (Lea Søvsø) gekonnt unterlaufen (…).“
Dorte Lena Eilers, Theater der Zeit, 1/2021

„(…) She She Pop erklären den Patriarchen dieser Welt den Krieg und stimmen danach Lana Del Reys Hymne «Young and Beautiful» an, in der «jung» und «hübsch» gerade keine Voraussetzungen für ein würdevolles Leben sind. Spätestens jetzt ist klar, dass hier eine Gruppe am Werk war, die von weiblichen Problemen etwas versteht, ohne in plumpen Aktivismus zu verfallen. Denn dieser Abend moralisiert nicht, sondern betrachtet sein Sujet kulturhistorisch, popkulturell, lebensnah und stößt mit der offenen Zurschaustellung von Körpern und Selbstzweifeln einen Selbstheilungsprozess an, von dem viele Theaterschaffende mit ihrem Fashionfeminismus nur träumen können.“
Anna Fastabend, Theater heute, Oktober 2020

„Keine Chance, dass diese fidele, entspannt wirkende Truppe sich aufs Altenteil zurückzieht und von der Erinnerung lebt – diese Zitronen haben noch viel Saft, könnte man mit Lotti Huber sagen. Rund 75 Minuten lang trumpfen die She Shes auf, nehmen sich dabei auch selbst auf den Arm und keine Rücksicht auf die Älteren im Publikum, heben manchmal, aber nur manchmal ein bisschen den Zeigefinger. „Hexploitation“ ist eine Materialsammlung wie auch eine bunte, unterhaltsame Kampferklärung ans Patriarchat. Die ist leider immer noch bitter notwendig.“
Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau, 15.07.2021

Workshop International Summer Camp Academy 2021 (Warsaw)

Die Sommercamp-Akademie wird in Zusammenarbeit mit Komuna/Warszawa, La Comedie de Clermont Ferrand und dem Epidaurus-Festival in Athen im Rahmen des Projekts „Auf der Suche nach einer Heimat – Ithaca“ von Creative Europe organisiert.

 

 

Credits

Workshop gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von „NEUSTART KULTUR.“

Termine


Vergangene Termine:
01. - 03. Juli 2021, Nowy Teatr, Warschau

Kanon

Foto: Benjamin Krieg
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch
Foto: Dorothea Tuch

She She Pop entwerfen einen Kanon aus der Perspektive der Zuschauer*innen, eine offene Liste unverzichtbarer Momente aus der Erinnerung der Anwesenden. Von all den Ereignissen die wir auf einer Bühne gesehen haben – welche wollen wir nicht vergessen? Von welchen müssen wir berichten? Was war so faszinierend und erhaben, was war derart schmerzhaft oder einleuchtend, derart befreiend oder so schauervoll, dass wir uns erinnern müssen?

Kanon ist zugleich Ritual und Revue. Und sie ist eine kollektive Geschichtsschreibung insbesondere für jene Inszenierungen, die jenseits des dramtischen Kanons stehen, von denen nach ihren Aufführungen scheinbar nichts bleibt, als die Erinnerung der Beteiligten, für Tanz, von Performance oder Happening.

Die Liste, die hier entsteht, ist ein ‚Kanon von unten‘, vor jeder Zensur. Der Geist weht, wo er will. Jeder Eintrag gilt, der ein charismatisches Ereignis bezeugt. Daher arbeitet Kanon mit all den Mitteln der Flüchtigkeit, die diese Kunstformen selbst hervorgebracht haben. Der Abend bewegt sich in einer Spanne von reiner Nacherzählung bis  zum Versuch beschwörender Wiederaufführung.

Wie überdauern die Körper, Gesten, der Raum, die Objekte, Architekturen und Installationen, der Rhythmus, die Dauer, die Stimmen, die Sprache, der Klang und die Musik? In der Erinnerung derer, die sie erlebt haben, in der Wiederaufführung durch sie selbst. Die Unschärfe, das Verfälschende des Erinnerns ist ebenso wesentlich wie die Freude an dem unvergessenen Moment.

Kanon wird von She She Pop und anderen Künstler*innen entwickelt: Ausgewählte Gäste aus der Freien Szene sind zu diesem kollektiven Erinnerungsritual eingeladen. Aber auch die zufällig anwesenden Zuschauer*innen sind aufgerufen am Kanon mitzuwirken und ihre eigenen Erlebnisse an besondere performative Momente darin einzuschreiben. So entfaltet sich diese Performance jeden Abend neu und spontan aus der anwesenden Gemeinschaft. Das Verhältnis von gegenseitiger Verpflichtung und Verbindlichkeit zwischen Bühne und Zuschauer*innenraum, wie sie in zeitgenössischen Theaterformen häufig zu finden ist, wird in Kanon gespiegelt, gefeiert und benutzt. Die Gemeinschaft entsteht erst durch die Beschwörung des gemeinsamen Kanons. Im Moment der Darstellung verbinden sich akutes Erleben mit Geschichten- und Geschichtsbildung mit der Absicht der Verfälschung zu eigenen Zwecken, mit der Fiktion der Historie. Im Theater entsteht ein „Gedächtnisraum“ aus den Gedächtnissen der Anwesenden und aus der gemeinschaftlichen Antizipation des Neuen.

Credits

Von und mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf und Gastperformance in wechselnder Besetzung.

Gastperformance Berlin in wechselnder Besetzung: Antonia Baehr, Daniel Belasco Rogers, Jean Chaize, Martin Clausen, Brigitte Cuvelier, Sean Patten, Tatiana Saphir, Leicy Valenzuela, Zelal Yesilyurt.
Gastperformance Frankfurt: Irene Klein, Joana Tischkau, Leander Ripchinsky.
Gastperformance München: Sybille Canonica, Maxwell McCarthy, Lavinia Nowak.

Kostüme und Requisiten: Lea Søvsø. Lichtdesign: Michael Lentner. Sounddesign: Jeff McGrory. Bühne: Sandra Fox. Choreografien: erinnert und neu interpretiert von Constanza Macras. Künstlerische Mitarbeit: Valeria Germain, Alisa Tretau, Laia Ribera. Mitarbeit Kostüm: Jana Donis. Mitarbeit Choreografie: Miki Shoji. Hospitanz: Magdalena Hofmann, Natasha Borenko. Technische Leitung: Sven Nichterlein. Produktionsleitung: Anne Brammen. PR, Kommunikation: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro. Freie Mitarbeit Kommunikation: Tina Ebert. Finanzadministration: Aminata Oelßner. Company Management: Elke Weber.

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf und Münchner Kammerspiele.

Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und den Hauptstadtkulturfonds Berlin.

Trailer

Termine

07., 08., 09. Oktober 2022, Kampnagel, Hamburg

Vergangene Termine:
17., 18., 19., Dezember 2020, FFT, Düsseldorf CANCELLED
06., 07. November 2020, Theater Rampe, Stuttgart CANCELLED
23., 24., 25., April 2020, FFT, Düsseldorf POSTPONED
12., 13., 14., März 2020, HAU, Berlin CANCELLED
07., 08., 09. Februar 2020, Münchner Kammerspiele, München
23., 24., 25. Januar 2020, Mousonturm, Frankfurt am Main
23., 24., 25., 26. November 2019, HAU, Berlin
22. November 2019, HAU, Berlin

Termine

07., 08., 09. Oktober 2022, Kampnagel, Hamburg

Pressestimmen

(…) tatsächlich ist der Kanon in „Kanon“ im Wesentlichen eine Schau des nicht-dramatischen, nicht-repräsentationstheaterhaften Bühnenschaffens. Momente bei Christoph Schlingensief, Johann Kresnik, Pina Bausch, William Forsythe (überhaupt viel Tanz, mit choreographischer Unterstützung von Constanza Macras adaptiert) werden aufgerufen. Vor Forced Entertainment und anderen britischen Gruppen verbeugt man sich. Vor Susanne Kennedys „Selbstmord-Schwestern“, vor Milo Raus „Die Wiederholung“. Die fancy Kostüme von Lea Søvsø huldigen in poppigen Andeutungen „Säulenheiligen der Aktionskunst“ – von Joseph Beuys bis Valie Export oder Yves Klein. (…)
Der Abend hat einen sentimentalen Charme. She She Pop (in der Premiere: Sebastian Bark, Johanna Freiburg und Ilia Papatheodorou) sowie Gäste (in der Premiere: Brigitte Cuvelier, Sean Patten, Leicy Valenzuela, Zelal Yesilyurt) beschreiben ihren je persönlichen „unvergessbaren“ Theatermoment in seinen äußeren Abläufen, während die übrigen Spieler*innen im Hintergrund mit kargen Verkleidungen und Handwerksutensilien eine betont dilettantische Visualisierung des Moments probieren. Schon bald bekommt das den Robert-Lembke-„Was bin ich“-Faktor, rätselt man innerlich mit (und feiert sich ab, wenn man diese oder jene der zitierten Produktionen schnell erkennt). (…)
In der Episode erinnert sich Ilia Papatheodorou an ihre Erstbegegnung mit der amerikanischen Hardcore-Performerin Ann Liv Young in „Cinderella“ im Januar 2011. (…) Jetzt, acht Jahre später, spielt Papatheodorou die Situation nach, wühlt sich ins Publikum vor, gönnt sich Momente von Young’scher Penetranz. Derweil Sean Patten (üblicherweise beim Kollektiv Gob Squad tätig) in einen Eimer urinieren muss. Bei Young wird an dieser Stelle eigentlich gekackt, aber so werktreu hat man es nicht hinbekommen. Papatheodorou reflektiert derweil über das System der Unterordnung im Theater von Ann Liv Young: „Sie hat uns in ihr kunstvolles Joch gepresst.“ Wunderbar gesagt.
Christian Rakow, nachtkritik, 22.11.2019

Es ist ein Familienalbum, in dem She She Pop und die ihnen Verschworenen blättern. Gemütlich wie ein Pub-Quiz zum postdramatischen Theater, dessen durch den Theaterwissenschaftler Hans-Thies Lehmann das HAU gerade mit einem Festival ehrt. Erkennbar geht es der Gruppe um das warme Herz des Performativen, das in seiner Offenlegung von Material und Konstruktion, Machern und Gemachtem, oft mehr Identifikationspotenzial liefert als die bruchlosen Repräsentationstechniken klassischen Schauspiels.
Janis El-Bira, Berliner Zeitung, 23.11. 2019

Spannend wird der Abend dann, wenn die Zuschauer und Zuschauerinnen aufgefordert werden, sich gegenseitig ihre eigenen Theater-Gänsehautmomente zu erzählen. In den auf der Bühne erzählten Erinnerungen geht es fast immer um Momente, wo die vierte Wand zwischen Publikum und Bühne verschwand oder weggeblasen wurde, wortwörtlich während einer Aufführung in Avignon, die in einem Gewittersturm unterging oder in der Geschichte von Sebastian Bark, der sich an eine Aufführung von Jerome Bells „The Show Must Go On“ erinnert. (…)
Gegen nationale Identität, oder gegen einen nationalen Bildungskanon. She She Pop (…) setzt (..) auf das Teilen individueller Erinnerungen. Auf dem Nachhauseweg geht mir die Frage nach meinem persönlichen Theaterkanon nicht aus dem Kopf. Ich bin Teil eines kollektiven Prozesses geworden, genannt: „postdramatisches Theater“.
Gerd Brendel, Deutschlandfunk Kultur, 23.11.19

Unbestritten besitzt diese Revue der individuellen Erfahrungen Unterhaltungswert. Der Abend ist – um eine Vokabel zu leihen, mit der Lehmann die multiple Gegenwart des postdramatischen Theaters beschrieb – „buntscheckig“.
Patrick Wildermann, Tagesspiegel, 24.11.19
Der Abend könnte auch „Einführung in die Praxis von She She Pop“ heißen, denn er zeigt wie ein Experiment, das einer bestimmten Spielanordnung folgt, auf der Bühne aussehen kann. Nicht ein übergeordnetes Regiekonzept steht im Vordergrund, sondern der Prozess selbst. (…)  Dabei sind die evozierten Fragen nach der Flüchtigkeit der Form und der damit verbundenen Schwierigkeit der nachträglichen Vermittlung durchaus spannend und aktuell. Jedenfalls macht der Abend neugierig auf einige vergangene Theatermomente. Schade nur, dass wir sie nie (wieder) erfahren werden.
Nora Auerbach, Die deutsche Bühne, 25.11.19
Dieser Kanon ist unterhaltsamer Rückblick auf die vergangenen drei Jahrzehnte und ein aufschlussreicher Abend über Theatergeschichte (…)
Das Kulturblog, 25.11.19
Es ist ein Abend der Liebeseserklärungen, konsequent im Wir. (…) überhaupt (ist) sehr vieles sehr in Ordnung in den zwei Stunden, mit denen das erfolgreichtse deutschsprachige Performerinnenkollektiv die Kraft der darstellenden Kunst feiert. Denn die (…) Akteure (…) bedienen sich nicht nur seltsamer Requisiten, lassen beim Nachstellen der erinnerten Szene die Lust am Übertreiben, an der Groteske und am Spiel viel Raum. Es geht ihnen doch immer und grundsätzlich um das Warum. (…)
Es ist ein besonderes Glück für die „Frankfurt Fassung“, dass mit Irene Klein eine Tänzerin, die 20 Jahre lang beim Ballett Frankfurt war, mit von der Partie ist. Denn Constanze Macras (…) hat mit She She Pop deren choreografische Erinnerung erarbeitet, unter anderem einen sehr lustigen Pina-Bausch-Gedächtnis-Move. Sie empfand auch auch eine rasend anspruchsolle Sequenz aus „In the Middle, Somewhat Elevated“ für die Nichttänzer nach. Und es sieht auf eine besonders rührende Weise lustig aus, wenn zwischen deren etwas windschiefes Posen Kleins Körper demonstriert, dass er all diese Bewegungen gespeichert hat – wie wir alle unsere Theatermomente. Ein hinreißendes Kollektiverlebnis (…).
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.20
She She Pop versuchen in „Kanon“ das eigentlich Unmögliche: den Live-Moment von teilweise Jahrzehnte alten Inszenierungen zu wiederholen und das Flüchtige, das in der DNA des Theaters so fest eingewoben ist, kurz zu überlisten, um der Magie willen. Diese gemeinsame Reise durch Zeiten, Orte und Gefühle ist eine große, selig machende Liebeserklärung an den Zauber des Theaters.
Christian Lutz, Süddeutsche Zeitung, 10.02.20