Kanon

Foto: Benjamin Krieg
Foto: Doro Tuch
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She She Pop entwerfen einen Kanon aus der Perspektive der Zuschauer*innen, eine offene Liste unverzichtbarer Momente aus der Erinnerung der Anwesenden. Von all den Ereignissen die wir auf einer Bühne gesehen haben – welche wollen wir nicht vergessen? Von welchen müssen wir berichten? Was war so faszinierend und erhaben, was war derart schmerzhaft oder einleuchtend, derart befreiend oder so schauervoll, dass wir uns erinnern müssen?

 

Kanon ist zugleich Ritual und Revue. Und sie ist eine kollektive Geschichtsschreibung insbesondere für jene Inszenierungen, die jenseits des dramtischen Kanons stehen, von denen nach ihren Aufführungen scheinbar nichts bleibt, als die Erinnerung der Beteiligten, für Tanz, von Performance oder Happening.

 

Die Liste, die hier entsteht, ist ein ‚Kanon von unten‘, vor jeder Zensur. Der Geist weht, wo er will. Jeder Eintrag gilt, der ein charismatisches Ereignis bezeugt. Daher arbeitet Kanon mit all den Mitteln der Flüchtigkeit, die diese Kunstformen selbst hervorgebracht haben. Der Abend bewegt sich in einer Spanne von reiner Nacherzählung bis  zum Versuch beschwörender Wiederaufführung.

Wie überdauern die Körper, Gesten, der Raum, die Objekte, Architekturen und Installationen, der Rhythmus, die Dauer, die Stimmen, die Sprache, der Klang und die Musik? In der Erinnerung derer, die sie erlebt haben, in der Wiederaufführung durch sie selbst. Die Unschärfe, das Verfälschende des Erinnerns ist ebenso wesentlich wie die Freude an dem unvergessenen Moment.

 

Kanon wird von She She Pop und anderen Künstler*innen entwickelt: Ausgewählte Gäste aus der Berliner Freien Szene sind zu diesem kollektiven Erinnerungsritual eingeladen. Aber auch die zufällig anwesenden Zuschauer*innen sind aufgerufen am Kanon mitzuwirken und ihre eigenen Erlebnisse an besondere performative Momente darin einzuschreiben. So entfaltet sich diese Performance jeden Abend neu und spontan aus der anwesenden Gemeinschaft. Das Verhältnis von gegenseitiger Verpflichtung und Verbindlichkeit zwischen Bühne und Zuschauer*innenraum, wie sie in zeitgenössischen Theaterformen häufig zu finden ist, wird in Kanon gespiegelt, gefeiert und benutzt. Die Gemeinschaft entsteht erst durch die Beschwörung des gemeinsamen Kanons. Im Moment der Darstellung verbinden sich akutes Erleben mit Geschichten- und Geschichtsbildung mit der Absicht der Verfälschung zu eigenen Zwecken, mit der Fiktion der Historie. Im Theater entsteht ein „Gedächtnisraum“ aus den Gedächtnissen der Anwesenden und aus der gemeinschaftlichen Antizipation des Neuen.

 

Tickets unter www.hebbel-am-ufer.de

Credits

Von und mit: Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf und Gastperformance in wechselnder Besetzung.

Es spielen Performerinnen von She She Pop und folgende Gastperformer*innen am 22.11: Brigitte Cuvelier, Leicy Valenzuela, Sean Patten, Zelal Yesilyurt. / am 23.11: Tatiana Saphir, Daniel Belasco Rogers, Sean Patten, Martin Clausen. / am 24.11: Tatiana Saphir, Daniel Belasco Rogers, Sean Patten, Leicy Valenzuela. / am 25.11: Daniel Belasco Rogers, Antonia Baehr, Jean Chaize, Zelal Yesilyurt. / am 26.11: Brigitte Cuvelier, Antonia Baehr, Jean Chaize, Martin Clausen.

Kostüme und Requisiten: Lea Søvsø. Lichtdesign: Michael Lentner. Sounddesign: Jeff McGrory. Bühne: Sandra Fox. Choreografie: Constanza Macras. Künstlerische Mitarbeit: Valeria Germain, Alisa Tretau, Laia Ribera. Mitarbeit Kostüm: Jana Donis. Mitarbeit Choreografie: Miki Shoji. Hospitanz: Magdalena Hofmann, Natasha Borenko. Technische Leitung: Sven Nichterlein. Produktionsleitung: Anne Brammen. PR, Kommunikation: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro. Freie Mitarbeit Kommunikation: Tina Ebert. Finanzadministration: Aminata Oelßner. Company Management: Elke Weber.

Eine Produktion von She She Pop in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg, Künstlerhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf und Münchner Kammerspiele.
Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und den Hauptstadtkulturfonds Berlin.

Termine

23., 24., 25. Januar 2020, Mousonturm, Frankfurt am Main
07., 08., 09. Februar 2020, Münchner Kammerspiele, München
12., 13., 14., März 2020, HAU, Berlin

Vergangene Termine:
23., 24., 25., 26. November 2019, HAU, Berlin
22. November 2019, HAU, Berlin

Termine

23., 24., 25. Januar 2020, Mousonturm, Frankfurt am Main
07., 08., 09. Februar 2020, Münchner Kammerspiele, München
12., 13., 14., März 2020, HAU, Berlin