Für dieses gemeinsame Projekt werfen She She Pop einen faszinierten Blick auf das Orchester der Jungen Deutschen Philharmonie. Sie entdecken einen monströsen kollektiven Körper – ein vielarmiges, aus multipler Lunge blasendes, expressives Wesen – und zugleich eine vielstimmige, kreative Gemeinschaft wie She She Pop selbst. Anders als die Künstler*innen des Performance-Kollektivs sind die Orchestermusiker*innen allerdings hochspezialisiert und engagieren sich für die gemeinsame Sache streng arbeitsteilig, die Aufmerksamkeit abwechselnd fokussiert auf die Person am Dirigierpult oder den Notentext, dessen Schriftzeichen – notiert von einem nie angetasteten Genie – präzise und in korrekter Reihenfolge umzusetzen sind. Woher stammt die Euphorie, die diese besondere kollektive Praxis bei den Beteiligten und allen Anwesenden offenbar freisetzt? Was ist der Preis dafür? Was ist mit den inneren Widersprüchen, Eigenheiten und besonderen Fähigkeiten der einzelnen Spieler*innen – ganz zu schweigen von den Hemmungen, Unzulänglichkeiten, den persönlichen Sorgen und Zweifeln? Wie und wo klingen die?
Für Frei_Spiel X: Das Große Ganze entwickeln She She Pop begleitend zum Musikprogramm eigene performative Partituren, in denen der Klangkörper des Orchesters und die individuellen Perspektiven der beteiligten Musiker*innen in einen Dialog treten. Ein Selbstversuch im Kollektiv, in dem die Spannung zwischen Dienst und Ausdruck, zwischen individueller Aufgabe und gemeinschaftlicher Freiheit zu Gehör gebracht wird.
Mit Werken von Grażyna Bacewicz, Darius Milhaud und Diana Syrse.